Kiwi-Lifestyle – oder auch Englisch, was ist das?

 

20140528-112447-41087184.jpgEndlich, ich hab sie gefunden. Meine Bibel! Und ich geb sie nie wieder her.
Nach sechs Monaten in einem englisch-sprachigen Land und in permanenter Begleitung eines Muttersprachlers, stellte sich mir so oft die Frage, was mit meinen linguistischen Fähigkeiten eigentlich nicht stimmt. Ganz ehrlich, ich lese, denke, träume in englisch, aber sobald sich Kiwis unterhalten, verstehe ich ab und zu nur noch die Hälfte und des Öfteren befinde ich mich in der
Situation zwar das Vokabular zu verstehen, nicht aber den Inhalt des Ganzen. Es ist zum Verzweifeln, denn es gibt mir das Gefühl, in der Schule nicht richtig aufgepasst zu haben. Alternativ dazu habe ich, ganz wie früher, den Lehrern die Schuld gegeben, mir einfach nicht richtig Englisch beigebracht zu haben.

Nun allerdings habe ich die Ursache und auch die Lösung meines Problems gefunden.

Kiwis sind einfach anders.

Das ist kein Englisch, was die hier sprechen, das ist neuseeländisch. Doch was macht das neuseeländische Englisch so anders vom Britischen oder Amerikanischen Englisch?

Die größten Probleme sind: Die Betonung und die Abkürzung von Phrasen oder Worten. Hinzu kommt das jederzeit relaxte Lebensgefühl, dass mir mit meinen deutschen Wurzeln manchmal ziemlich zu schaffen macht.

Kiwi-Slang Punkt 1: Die Betonung/ der Akzent
Das fängt mit so simplen Dingen wie der neuseeländischen Aussprache des E an. Im Englischunterricht haben wir gelernt, dass das E gleich i ausgesprochen wird. Allerdings wird es im Britischen Englisch in den Worten doch wie E betont.
Bespiele:
Bread = Bräd (brit. Engl.) = Bridd (Kiwi Engl.)
Oder auch Eggs = äggs (brit. Engl.) = iggs (Kiwi Engl.)
Im Prinzip ist das ja auch die logischere Aussprache, nur noch nicht mit meinem britisch-amerikanisch-Akzent-geprägtem Gehirn vereinbar.

Eines Tages habe ich einen Kiwi gebeten, mir ein Wort zu buchstabieren, damit ich es im Wörterbuch nachschlagen kann, aber ich habe ihn einfach nicht verstanden. Der hat einfach einen Buchstaben benutzt, der in meinem Alphabet nicht vorkam. Es klang wie eine Mischung aus C und Z, gesprochen hat er das wie Si. Nachdem ich alle meine Synapsen angeknipst habe und mir das Denken quasi ins Gesicht geschrieben war, habe ich die Lösung gefunden. Er meinte den Buchstaben Z damit. Klar, macht ja auch Sinn als einziges englisch-sprachiges Land der Welt, den Buchstaben anders zu betonen als alle anderen Nationen. Man, selbst die Franzosen mit ihrem Akzent verstehe ich da besser.
Doch warum sagen Kiwis nun Sii an Stelle von Zädd? Eigentlich ist es ganz logisch. Lest mal das Wort „New Zealand“. Merkt ihr selber, hm? Keiner sagt: „Nju Zäddländ“, alle sprechen es „Nju Siiländ“ aus.

Kiwi-Slang Punkt 2: Abkürzen von Worten/ Phtasen
Achtung, Missverständnisse vorprogrammiert.
Hier wird für ziemlich alles der Term „Sweet as“ (gespochen: Swidäzz) benutzt. Das erste Mal habe ich den Begriff in Queenstown gehört, als sich auf der Straße zwei Typen unterhalten haben und ich im Vorbeigehen nur gehört habe: „Sweet ass“
Biddddeee? Süßer Arsch? Danke für das Kompliment, aber das kam jetzt unerwartet. Hm, die Neuseeländer sind schon sehr direkt in der Ansprache der Frauenwelt – DACHTE ich. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, etwas nicht ganz richtig verstanden zu haben. Aber statt zu fragen, habe ich einfach mal abgewartet. Die Lösung hat sich ein paar Wochen später auf dem Silbertablett präsentiert, als einem anderen Mädchen die Bedeutung von „Sweet as“ erklärt wurde. Ich habe einfach mal heimlich zugehört und leise vor mich hingekichert.
„Sweet as“ wird als verkürzte Form von „Sweet as something“ (Also süß wie irgendwas) und als allgemeine Zustimmung für fast alles benutzt. In der Häufigkeit der Benutzung kommt es direkt an zweiter Stelle nach „awesome“ (und das Wort wird wirklich inflationär für ALLES benutzt – Ich kann es nicht mehr hören).
Es geht auch noch kürzer, in dem man nur mit einem „sweet“ zustimmt. Hm sehr schön, anscheinend habe ich damals in Queenstown nur das Ende einer Unterhaltung zwischen zwei Kiwis mitbekommen und dementsprechend kein Kompliment für meinen Hintern erhalten. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das gut finden soll. Na gut, was soll´s – ich bin etwas schlauer.

Doch zurück zum Thema. Worin Neuseeländer auch ganz groß sind, ist ihre Entspanntheit in so ziemlich allen Lebenslagen.

Kiwi-Lifestyle: Entspannt, relaxt durch´s Leben
Ich schätze das wirklich sehr, aber manchmal bringt mich das einfach nur auf die Palme. „No worries“ und „Keep calm“ scheint hier genetisch bedingt zu sein.
Ein ziemlich typischer Tagesablauf ist folgender:
– to-do-Liste machen (prima, das kommt mir sehr entgegen)
– Kaffee kochen (joaar, nehm ich doch auch direkt einen)
– to-do-Liste anschauen und entscheiden, was man zuerst macht. Hmm, naja vielleicht braucht man für endgültige Entscheidung noch einen Kaffee. (ähhm wie jetzt?)
– Kaffee Nummer zwei kochen (ich hab noch nicht einmal den ersten ausgetrunken)
– Oh, die Sonne scheint, wir sollten draußen weitermachen (hmm, ja gut, wieso nicht)

… die to-do-Liste wird hervorgeholt, angeschaut und tatsächlich – man trifft eine Entscheidung. Wow, damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Das war es dann aber schon… an der Erfüllung der Liste kann man ja morgen weiterarbeiten…

In meinem neuen Lieblingsbuch „How to speak New Zenglisch“ werden all diese Punkte thematisiert und ich empfehle wirklich jedem, der länger nach Neuseeland reist, dieses Buch dabei zu haben. Jesse Mulligan trifft den Nagel auf den Kopf! Ein Beispiel dafür hier:

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2 Gedanken zu „Kiwi-Lifestyle – oder auch Englisch, was ist das?

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