Vertraut auf euer Bauchgefühl

 Es ist der absolute Wahnsinn. Die letzten vier (!!!) Monate hier am anderen Ende der Welt sind so schnell vergangen, dass ich weder emotional verarbeiten konnte, was eigentlich geschehen ist, noch war daran zu denken, einen eingermaßen sinnvollen Blogeintrag zu schreiben.
Und nun bin ich auch schon fast wieder auf dem Weg nach Deutschland.
Nein, nicht für immer, nur für kurze Zeit – und danach heißt es wieder: „Und tschüss, ich bin dann mal weg ein bisschen. Naja, oder auch für ein bisschen länger. Oder für immer???
Puuh, also der Reihe nach. Oder soll ich Fotos auf den Tisch knallen und euch sagen: Mein Haus, mein Job, mein Visum, mein Hund?
Vielleicht doch lieber eines nach dem anderen.

Nach 1,5 Jahren des Herumreisens, Geld ausgebens, Ausprobierens und einfach nur Seins, musste der Ernst des Lebens wieder anfangen, Geld in die Kasse kommen und ich mich endlich mal dazu bekennen, was ich eigentlich will.
Ja was will ich denn eigentlich? Zurück nach Deutschland? Nein!
Hier in Neuseeland bleiben? Ja, definitiv und aus vollem Herzen.
Auch wenn ich, wie im letzten Post beschrieben, mein Hamburg sehr vermisse und natürlich auch Freunde und Familie fehlen, so fühle ich mich doch mehr mit Neuseeland verbunden, als mit dem Land in dem ich geboren wurde. Entscheidung: Job suchen, aber einer der passt, einer den ich wirklich machen will, ein Job, bei dem ich mit dem Herzen hinter stehe. Und natürlich auch in meinem Bereich, so dass das Visum auch garantiert wird.

Punkt eins – Job in Neuseeland
Die 3. Bewerbung war dann direkt ein Volltreffer. Schon beim Lesen der Anzeige wusste ich, DER Job ist es! Ich sage euch, vertraut auf euer Bauchgefühl. Beworben, Telefonat, Interview, Visum beantragt, angefangen zu arbeiten. Zack, das ging in einem Rutsch.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass der Job mich auch momentan ein wenig vom Blog schreiben abhält, weil ich da ziemlich eingespannt bin, ABER mit jeder Menge Spaß! Ich schreibe später mal dazu.

Punkt zwei – Hund in Neuseeland
Ich bin auf den Hund gekommen. Seit 6 Wochen bereichert ein Briard mein Leben. Auch wie Aubrey den Weg zu uns gefunden hat, ist eine Geschichte für sich. Nur um ihn mal kurz vorzustellen. Aubrey, fast 7 Jahre, französischer Hirtenhund und, nunja, sagen wir mal – er ist eine Persönlichkeit.


Punkt drei – Haus in Neuseeland
Ich wohne tatsächlich in meinem Traumhaus. Erinnert ihr euch noch an die Geschichte vom Maori-Weihnachtsmann? Der Mann, der uns sein Auto einfach so anvertraut hat? Nach 5 Minuten(!!!)?
Jetzt wohne ich im Paradies. Um mich herum nur Natur, kein Autolärm, nur Vögelzwitschern und das Rauschen des Baches. UND es gibt eine Badewanne – freistehend (im Haus natürlich).

Punkt vier – Besuch in Deutschland
Ich komme nach Deutschland und zwar schon in zwei Wochen. Unglücklicherweise erfordert mein Job es, dass ich mal eben rübergeflogen komme. Hahahaaa, wie wichtig sich das anhört. Also die Wahrheit ist, ja ich werde ich Deutschland auch arbeiten, aber ich habe auch ein paar Tage frei. Und diese werde ich dann damit verbringen, meine Wohnung in Hamburg aufzulösen. Und ein paar Lieblingsmenschen wiederzusehen.

Punkt fünf – Visum für Neuseeland
bzw. eigentlich Punkt 1.1.
Wegen des Job-Angebots, was die Immigration New Zealand als „skilled“ und gesucht ansieht, habe ich ein Visum für drei Jahre bekommen. DREI.

In dieser ganzen Zeit sind auch ein paar weniger schöne Dinge geschehen, die mich emotional mitgenommen haben.


So ist meine liebe Omi (im großartigen Alter von 91 Jahren) verstorben. Die Entscheidung auf Grund Geldmangels und Jobstart nicht nach Deutschland zu fliegen war wirklich nicht einfach. Ich knabbere auch immer noch daran, aber im Endeffekt muss man ja auch nach vorne schauen, denn das Leben geht weiter. Wie schnell sich das Karussell des Lebens weiterdreht, habe ich hier nun erfahren, denn all die genannten Punkte sind in nur vier Monaten geschehen.

Nun ist es aber auch an der Zeit, nach fast zwei Jahren, einmal zurück in die Heimat zu kommen und richtig Abschied zu nehmen. Denn damals, im August 2013, da habe ich bei Weitem nicht damit gerechnet, in Neuseeland zu bleiben – und schon gar nicht für immer.

Also, in spätestens 15 Tagen bin ich wieder ganz nah und bringe ein wenig Potsdam, Berlin, Hamburg und München durcheinander.

looking for dolphins

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Geburtstag nach Kiwiart

catlins-video… ich bin dann mal weg. Für ein paar Tage anlässlich meines Geburtstages.
So habe ich mir das gedacht und in die Tat umgesetzt.
Nach dem letzten Jahr im Dauerregen konnte es ja wettertechnisch nicht schlimmer kommen – dachte ich.
Kann es nömlich doch. Mit Hagel, Regen, Schnee, Gewitter und auch Sonnenschein – innerhalb 24 Stunden. Aber diesmal war ich vorbereitet und habe abwechselnd Regen- und Winterjacke getragen, Mütze aufgesetzt, Thermounterwäsche angehabt (mmmmhhhh ja, ich weiß – seeeexy, aber eben praktisch) und die Nacht im Auto unter zwei Bettdecken verbracht.
Dafür hatte ich einen unglaublichen Ausblick auf das Meer, habe Seelöwen und Pinguinen getroffen und Wasserfälle bestaunt.
Hier ein kleines Video als ersten Versuch die Eindrücke mal visueller einzufangen. Viel Spaß!

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag und zu Hause angekommen, hat auch ein Päkchen aus Deutschland bei der Post auf mich gewartet! Eltern sind doch einfach die besten!

Diese unendliche Weite – und das Geräusch von Kettensägen

Central_Otago

Wie neulich, also vor langer Zeit, schon einmal angedeutet, passiert hier bei mir eine ganze Menge und ich komme einfach nicht mehr hinterher mit dem Aufarbeiten meiner Geschehnisse, Gedanken und Emotionen.

„Leben mit Millionen-Dollar-Aussicht“

Gerade eben war ich noch im Norden der Südinsel mitten im Abel Tasman angesiedelt und nun auf einmal in Central Otago. Wobei gerade eben ja nun auch nicht wirklich stimmt, denn es ist schon wieder 1,5 Monate her. Aber zurück zu Central Otago. Ich möchte an dieser Stelle die Eindrücke meiner Mum dazu wiedergeben:„Diese Weite“ oder auch „Hach, ist das schön. Claudi, schau doch mal!!! Diese Weite.“

– Stille für einige Sekunden-

Dann direkt noch einmal: „Claudiaaaa, diese Weite, jetzt schau endlich!“. Nebenbei bemerkt, ich bin die ganze Zeit Auto gefahren und habe mich dementsprechend mehr auf die Straße und den Verkehr konzentriert, als die Landschaft zu bestaunen. Aber verübeln kann man meiner Mum die Begeisterung wirklich nicht. Mich hat sie ja schon in ihren Bann gezogen, als wir mit Turbo-Pascal durch die Toskana am anderen Ende der Welt getuckert sind.
Naja, und nun lebe ich hier auf einmal. In einem Haus mit einer Millionen-Dollar-Aussicht. Wie wir sehen, sehen wir weit und breit nichts. Außer Weite, unendlicher Weite.
Central-Otago-Land-of-GoldWie wir hier hergekommen sind und was wir hier tun?
Auf dem Berg im Abel Tasman haben wir letztes Jahr eine neue Nachbarin bekommen. Aus Deutschland, und man mag es nicht glauben, aus Hamburg! Schnell haben wir herausgefunden, dass wir auf einer Wellenlänge liegen und noch schneller als wir gucken konnten, wurden aus Nachbarn Freunde.
Eines Tages erzählte sie uns, dass sie Hilfe mit der Renovierung ihres Hauses in Central Otago bräuchte und da sie wegen Tieren und Kind ihr Zuhause nicht lange allein lassen kann, haben wir ihr unsere Hilfe angeboten. Von dieser Aussicht hat aber niemand gesprochen und so waren wir ganz überwältigt, als wir hier angekommen sind und ein kleines, süßes Holzhäuschen mit unbezahlbarer Aussicht vorgefunden haben.

„Internet – $90 für 5 GB“

Der Nachteil: Internet empfange ich nur übers Handy und das ist sauteuer. Alternativ könnte ich auch Internet über Satellit ordern, aber das ist noch teurer. Eine Möglichkeit gibt es noch, das nennt sich Rural Wifi und wird von Vodafone angeboten. Immer noch teuer, aber ich bin nicht mehr an 1-5 GB pro Monat gebunden. Der Haken an der Sache ist, dass Vodafone mir das nicht geben will, weil mein Visum nur bis Mitte August gültig ist. Also kreuche und fleuche ich hier weiterhin mit unfassbar teuren ( $90 NZD!!!)5 GB pro Monat rum und versuche den Rahmen einzuhalten.

„Neues von der Visums-Front“

Achja, Visum. Auch von dieser Front gibt´s Neuigkeiten. Ich werde alles auf eine Karte setzen und Residency beantragen. Alles was mir dafür fehlt, ist ein Job-Angebot. Halt, falsch! Alles was mir dafür FEHLTE – Vergangenheit.
Ich habe nämlich eines von unserer Freundin bekommen und glücklicherweise stehen Marketing-Specialits auf der Liste der Skilled Occupations, was es möglich macht, mich über die Skilled Migrant Category zu bewerben. Das ist der GROBE Plan.
Die Details sind zu kompliziert und verwirrend und ich steige derzeit noch durch den neuseeländischen Bürokratie-Dschungel.
Fakt ist:

  • ich muss einen Englisch-Test machen (IELTS) = $385 NZD
  • meine bisherige Qualifkation beweisen und anerkennen lassen = ca. $800 NZD
  • alle Dokumente übersetzen lassen (muss natürlich zertifiziert sein) = $560 NZD
  • Führungszeugnis (das war einfach und schnell zu bekommen und natürlich ohne Eintragungen) = 15 Euro
  • plus Gebühren für die Ausstellung von Geburtsurkunde, Porto von D nach NZ,
    Zweitausfertigungen von Abschluss-Zeugnissen, weil die in einer Kiste aufm Dachboden in Hamburg versteckt sind. So gut, dass ich mich einfach nicht mehr erinnern kann, wo ich die hingetan habe.

Möchte jemand vielleicht etwas (Datenvolumen)spenden?

So, während meine Eltern in Deutschland meine Unterlagen horten und mir schicken, gebe ich hier munter die Kohle aus und die Kreditkarte kommt ganz schön ins Glühen. Nein, ich habe immer noch nicht im Lotto gewonnen, nein ich tue nichts Illegales, und ja, das Geld wird langsam knapp. Aber sei es drum. Man lebt ja nur einmal und ich habe mich dazu entschlossen, diesn, wenn auch unsicheren, Weg zu gehen. Sobald ich alle Dokumente beisammen habe und das Ergebnis des Englisch-Tests, kann ich Anfang Mai meine „Expression of Interests“ an die Immigrationsbehörde schicken.

„$510 fürs Punkte zählen“

Die zählen dann meine Punkte zusammen und wenn es für sie über 140 ergibt, dann bekomme ich die Einladung mich um Residency zu bewerben. Da wird dann ganz genau geprüft, ob das auch alles stimmt, was ich angebe und vor allem das Jobangebot und meine Qualifikationen.
Jedenfalls werde ich nur für meine Interessens-Bekundung nocheinmal $510 NZD bezahlen dürfen. Großartig, oder? Nur dafür, dass ich sagen: „Hey, ich hab einen einigermaßen guten Bildungshintergrund in Jobs für die ihr dringend Leute sucht, und ich möchte gerne in eurem Land leben und VOR ALLEM ARBEITEN. Ich möchte aktiv etwas für euer BIP tun und noch mehr Menschen von Neuseeland überzeugen. Ich möchte aktiv etwas dafür tun, dass dieses Land an mir Geld verdient.“ – Na, dann kann ich ja direkt erst mal $510 NZD fürs Punkte zählen bezahlen.

Eigentlich ein gutes System, der Staat verdient an den Träumen anderer Menschen, nur weil sie in diesem Land leben möchten. Wie handhabt das eigentlich Deutschland? Weiß das einer?
Ich will mich aber nicht beschweren, ich habe es mir so ausgesucht und Bürokratie kostet immer Zeit und Geld. Und ich meine mal ernsthaft, bei diesem Ausblick, wer berschwert sich da schon?

Central-Otago-lightning

 

Selbst bei Gewitter ist die Sicht fantastisch. Was eher wenig fantastisch ist, ist der Fakt, dass das Holzhaus bei Donner vibriert und wackelt. Und trotzdem ist es einfach faszinierend zu beobachten, mit wieviel Macht und Gewalt sich die Wolken ganz plötzlich zusammenbrauen oder aber langsam über die Berge schieben, um dann ihre ganze Kraft zu entfalten und mit einem langen, tiefen Grollen die Entladung ankündigen.

So sitze ich hier am Schreibtisch in der Mitte des Nirgendwos in Central Otago, blicke auf diese Weite, die nur am Horizont von den Südalpen begrenzt wird, schreibe nach langer Zeit mal wieder meinen Blog, recherchiere meine To-Dos für die Immigrationsbehörde, lerne für den bevorstehenden Englisch-Test und lausche dem Singen von Vögeln, dem Blöken von Schafe, dem Röhren von Hirschen (unsere Nachbarn farmen Hirsche) und einer Kettensäge!!!
Moment, Kettensäge??? Ja genau, wir sind ja hier nicht nur zum am Schreibtsisch sitzen und Blog schreiben gekommen, sondern auch um unserer Freundin zu helfen. So wird also der Garten in Ordnung gebracht, die Bäume beschnitten (dafür die Kettensäge), Wände abgeschliffen und gemalert, Fußboden neu verlegt, …, …, …, blubb, blubb, blubb, blubb… – Aus mit der romantischen Vorstellung, morgens mit einem Cappuccino am Blog zu schreiben oder aber, wenn man sich grad nicht danach fühlt, abends mit einem Glas Rotwein der untergehenden Sonne über den Bergrücken zuzuschauen und dann ein paar Zeilen zu tippen. Hier wird gearbeitet, auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Arbeit mehr plane und wann, was gemacht wird. Im Organisieren war ich schließlich schon immer sehr gut. Aber ab zu hab ich dann doch mal die Farbrolle in der Hand und streiche Wände, oder tunke meine Haare in Farbe und verteile sie anschließend ungewollt über meine gesamten Klamotten.
„Die Freuden des Renovierens der Claudia M.“ – der Titel für den nächsten Post?

Ich merke, ich schweife ab…
Zusammenfassend kann man also sagen, dass ich derzeit das Leben hier plane und versuche einen Weg zu finden, hierbleiben zu dürfen. Vor mir liegen dementsprechend ein paar Monate Kommunikation mit der Immigrationsbehörde. Wir schauen mal, was die nächsten Tage und Wochen hergeben. Vielleicht schreibe ich auch lieber über die modische Geschmacklosigkeit von bezahlbarer Mode made in NZ. Oder das Problem, schöne Möbel zu finden, welche mit Stil!!!
Ihr seht es schon, es ist alles nicht so einfach, aber ich sende euch trotzdem Umarmungen vom anderen Ende der Welt. Es ist trotzdem schön hier.
PS: Manchmal ist es richtig toll, wenn Papier so geduldig ist – bzw. mein Computer.

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N bisschen „tipsy“ an Silvester und ganz viel Schlaf

Alkohol um 10 Uhr morgens!

Möglich macht das eine Weinverkostung und die glückliche Fügung, dass ich nicht der Fahrer bin.
Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt schon jemals um 10 Uhr morgens angefangen habe Alkohol zu trinken, aber was tut man nicht alles um seine Pflicht zu erfüllen. Ja genau, es war eine Pflicht.
Nachdem wir uns von der Nordinsel mit dem Bus und der Fähre wieder nach Picton durchgeschlagen haben und ich vor lauter Schlafentzug dezent halluziniert habe, schlägt mir der Hostelbesitzer vor, eine Weinverkostung im befreundeten Weingut „Johanneshof“ zu machen. Eigentlich schlägt er es nicht nur vor, er bestimmt das einfach so und nach nur ein paar Stunden Schlaf, die das Schlafdefizit bei Weitem nicht aufholen konnten, sitze ich mit vier anderen – mir völlig unbekannten- Mädels und trinke mich im Auftrage des Hostels durch die verschiedenen Sorten Weins. Um am Ende der Verkostung ein paar Flaschen zurück ins Hostel zu bringen und für einen gelungenen Silvesterabend zu sorgen.

„Wein muss süß sein“

Auf dem Weg rede ich ein wenig mit der doch recht resoluten Australierin, die eine Vorliebe für teuren Champagner hat, aber sich leider als Fahrer angeboten hat. Hinter mir auf der Rückbank des kleinen Mietwagens quetschen sich drei sehr junge, deutsche Mädels, die der Meinung sind, Wein muss süß (!!!) sein. Als ich das höre, bin ich doch eher froh, dass mein Gesicht ihnen abgewandt war und sie die Reaktion nicht sehen konnten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir für einen klitzekleinen Moment alle Gesichtszüge entgleist sind. „Wein muss süß sein???“
Dunkel erinnere ich mich an meine ersten Weinerfahrungen und den „Genuss“ von Lambrusco oder auch während einer Skifahrt mit der Schule an Wein aus dem Tetra-Pack. Naja, wie heißt es so schön? „Aus Erfahrung wird man klug“. In meinem Fall, hieß die Erfahrung Kopfschmerz.

Egal, da es meine erste Weinverkostung in Neuseeland ist, freue ich mich einfach nur darauf, einige Weine aus der Marlborough Region zu probieren. Man muss dazu wissen, dass sich hier Weingut, an Weingut, an Weingut reiht und man eigentlich nicht so recht weiß, welches man denn nun probieren soll. Alle stellen sie einen Sauvignon Blanc her und fast alle auch einen Pinot Grigio. Fantastischerweise wurde mir diese Entscheidung abgenommen und wie sich herausstellen sollte, ist der Johanneshof ein winzigkleines Gut, das von einem Neuseeländer, der in Deutschland studiert hat und einer Deutschen betrieben wird. Aber nun zurück zur Verkostung.
Es beginnt, es wird zu den Weinen erzählt, man schnuppert, man nimmt ein Schlückchen, man spült ein bisschen und dann entscheidet man, ob man es mag oder nicht. Meine drei kleinen Mädels sind ruhig, sehr ruhig. Ich denke, sie wissen nicht so richtig, wie sie sich verhalten sollen und vielleicht sind auch ein bisschen unsicher.
Wein Nummer zwei, es wird etwas munterer und hinter mir vernehme ich, dass der Wein ja gar nicht süß sei und wir den auf gar keinen Fall mit zurück ins Hostel nehmen. Schnell wieder woanders hinschauen und versuchen, sich jetzt bloß nicht zu verschlucken. Mir gefällt der Sauvignon Blanc nämlich ausgesprochen gut und ich kenne ein paar Menschen, die den eindeutig süß finden. Ich hingegen finde einfach nur, dass er eine wunderbare Kombination aus fruchtigen Noten ist. ABER wie bei Allem ist das ja immer eine Geschmackssache.
Nach zwei Schlückchen merke ich, dass sich mein Schlafmangel und der Alkohol überhaupt nicht miteinander vertragen. Die Beine werden wackelig, ich merke wie mir das Blut in die Wangen schießt und schon wieder fühle ich mich an meine ersten Erfahrungen mit Alkohol erinnert. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein Körper einfach nix mehr gewöhnt ist und ich gehe lieber auf Nummer sicher und dazu über bei den anderen Proben nur noch ein wenig zu nippen. Irgendwann muss sich ja „Lebenserfahrung“ auch auszahlen.

Die drei jungen Damen nämlich, haben das offensichtlich noch nicht gelernt. Amüsisert beobachte ich, wie die Runde immer munterer und heiterer wird und wir kommen erst noch zu dem wirklich süßen Wein – der Gewürztraminer, der eher als Dessert-Wein getrunken wird. Mir selbst als Dessert-Wein zu süß, lese ich auf den Gesichtern der Ladys helle Begeisterung, eifriges Kopfnicken und die Entscheidung: „Davon nehmen wir was zurück mit ins Hostel“.
Spontan beschließe ich doch noch einen größeren Schluck zu nehmen und mir die Entscheidung der Mädels einfach egal werden zu lassen.
Zum Schluss kommt der Champagner, der nicht Champagner heißen darf, aber mindestens genauso gut sein soll. Da ich den Punkt des Genießen schon überschritten habe, finde ich es einfach nur trocken, sehr trocken und ich mag es einfach gar nicht. Ich möchte an dieser Stelle aber betonen, dass ich wirklich nicht in der Lage war, eine neutrale Einschätzung der Lage abzugeben und komme daher auf das Urteil, der Champagner liebenden Australierin zurück. Denn obwohl sie unser Fahrer ist, genehmigt sie sich ein Schlückchen zur Probe und kauft sogar zwei Flaschen für ihre Freunde, die am Abend ankommen sollen und ebenfalls Champagner Liebhaber sind.
Vor meinem inneren Auge läuft ein Film über junge, gelangweilte Australierinnen ab, die ihr Leben mit Champagner auf der Pferderennbahn beprosten und dabei lustige Hütchen aufhaben. Ein kleines Kichern kommt in meiner Kehle auf – manchmal kann ich mein Kopfkino einfach nicht ausschalten.
Die ganze Situation kommt mir so furchtbar lächerlich vor. Ich, die Champagner liebende Australierin, die nichts trinken darf und die drei beschwipsten „Süßen“, diese Kombination wäre wohl auf freiwilliger Basis so nie zu Stande gekommen.

„Einfach nur Schlaf“

Vielleicht kommt es mir auch nur so unerträglich lächerlich vor, weil mein Körper sich so sehr nach Bettruhe sehnt. Sechs Stunden Busfahrt bis nach Wellington, einige Stunden Aufenthalt in Wellington bis die Fähre abfährt und noch einmal 3 Stunden Fährfahrt mit anschließendem zum Hostel laufen und warten, dass unser Freund die Tür aufmacht, ist dann doch zuviel für mich.

Es ist Silvester und ich will schlafen!!!

Nach 1,5 Stunden und einer kleinen Tour durch den Keller mit Privatschätzen (Wein) ist das Prozedere beendet. Unsere Runde versammelt sich im Auto und mehr oder weniger schweigend geht es zurück nach Picton. Warum die Mädels schweigen, weiß ich nicht. Ich schweige, weil ich müde bin. Sehr müde. Schlaf, Schlaf, Schlaf! Mein ganzer Körper ruft, ach was schreit förmlich danach. Es ist mittlerweile 12 Uhr mittags und Silvester, doch ich lege mich tatsächlich schlafen.
Gegen Nachmittag wache ich auf und wir entscheiden, einfach nur etwas zu kochen, ein wenig was zu trinken und anschließend zum Hafen zu wandern und das Feuerwerk zu bestaunen. Picton soll eines der besten Feuerwerke haben, die Neuseeland zu bieten hat.
Im Supermarkt das gleiche Chaos wie in Deutschland. Hilfe, Feiertag, wir müssen einkaufen. JETZT!
Relativ schnell habe ich meine Habseligkeiten zusammen und natürlich muss ich mich ausweisen. Mittlerweile habe ich nämlich rausgefunden, dass Supermärkte selbst bestimmen können, bis zu welcher Altergrenze man sich ausweisen muss, um zu zeigen, dass man berechtigt ist, Alkohol zu kaufen. Da hängen überall im Supermarkt so kleine Tafeln auf denen steht, dass man doch bitte entschuldigen soll, nach dem Ausweis gefragt zu werden, wenn man jünger als 2… aussieht. Die zweite Zahl ist austauschbar und kann 25 oder 28 oder was auch immer sein. Am 31.12. bitten sie um Verständnis, wenn man jünger als 28 Jahre aussieht. Ich freue mich schon während des Gangs zur Kasse. Endlich! Endlich kann ich meinen neuseeländischen Führerschein vorzeigen, den ich zu diesem Punkt erst seit zwei Wochen hatte. Ich werde ihn an dieser Stelle hier nicht zeigen, denn auf dem Foto sehe ich echt aus wie ein Verbrecher. Wenn man den neuseeländischen Führerschein beantragt, muss man 1. seinen Deutschen abgeben (wird zur Botschaft geschickt oder so!?) und 2. machen die das Foto vor Ort, welches man nicht sieht. Das ist so n bisschen wie Glücksspiel. Das Ergebnis haste dann erst zwei, drei Wochen später im Briefkasten und ändern kannste nüscht mehr. Allerdings hätte mich der Kommentar der Behördendame aufmerksam machen sollen, als sie mir ein „lovely“ (gemeint wie reizend) über ihren Brillenrand zuwarf. Ich meine, das tropft doch eigentlich nur so von Sarkasmus. Wie dem auch sei, ich konnte endlich meinen Identität und mein Alter mit einem offiziellen, neuseeländischen Dokument bezeugen, was mich doch schon stolz gemacht hat. Ich hoffe nur, dass ich mit dem neuseeländischen Führerschein auch noch in Deutschland fahren darf.

Wo war ich stehen geblieben? Achja, Silvester.

Bekocht wurde ich dann. Irgendwas sehr Leckeres mit Lachs und Gin Tonic dazu. Und Gin Tonic als Vorspeise und Gin Tonic als Nachspeise. Das Kochen dauert lange, sehr lange. So lange, dass wir anderen Hostelgästen beim betrunken werden zuschauen konnten. So lange um die ganze Show zu sehen, die zwischen jungen Teenies im Holiday-Modus zweierlei Geschlechts abspielt. Wieder einmal habe ich die Daseinsberechtigung des Wortes Fremdschämen erkannt. Mir wird es zuviel, draußen regnet es. Regen??? Hallo, ich dachte es ist Sommer und wieso regnet es denn jetzt an Silvester? Ach was, ich bin müde, also ab ins Bett.
Um Punkt 23.54 Uhr in der Silvesternacht liege ich im Bett, denke daran, wie Silvester in Deutschland wäre und bereue es ein wenig, nicht zum Hafen und zum Feuerwerk gegangen zu sein. Es wird 12 Uhr und das Feuerwerk beginnt. Eine Minute, zwei Minuten -wohlgemerkt, es nieselt immer noch- sieben Minuten, zehn Minuten, Ende! Was? Zehn Minuten Feuerwerk und das ist eines der besten, die Neuseeland zu bieten hat? Hmm, in dieser Minute merke ich, dass die Entscheidung im Bett zu liegen, doch mehr als gut war. Ausruhen, schlafen, Energie tanken für die nächsten zwei Wochen.

„Zwei Wochen Urlaub mit den Eltern“

Denn in zwei Tagen kommen auch schon meine Eltern und ich verbringe Urlaub mit ihnen. Über ein Jahr habe ich sie nicht mehr gesehen. Über ein Jahr gab es nur Skype-Telefonate und WhatsApp Nachrichten. Und dann gibt´s aufeinmal einen ganzen Urlaub mit ihnen. Zum ersten Mal seit 15 Jahren nur meine Eltern und ich. Ich denke, dass kann nur interessant werden und lasse das alte Jahr mit den Gedanken an Familie und Freunde ausklingen und schlafe ein.

Leben passiert – einfach so und ganz schön viel

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Und weil manchmal so viel auf einmal passiert, bin ich einfach nicht mehr hinterhergekommen, alles festzuhalten, aufzuschreiben, geschweige denn auch nur annähernd zu verarbeiten.

Die letzten zwei Monate waren emotional schlicht und einfach überwältigend. Da war die Reise auf die Nordinsel, wo ich Weihnachten in nun meiner Kiwi-Familie gefeiert habe, dann zwei Wochen mit meinen Eltern, anschließend ein paar Tage mit Ela und direkt danach dann dieses Luminate-Festival!
Ach und ein neues Auto haben wir auch gekauft, was nun darauf wartet zum Schlafplatz umgebaut zu werden und uns weitere Reisen ermöglicht.
Diese Reisen werden schon in ein paar Tagen starten, denn für uns geht es weiter Richtung Süden.

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Gerade spannen wir zwischen all den Abenteuern aus und genießen Sommer. Das bedeutet in Gummistiefeln flussaufwärts zu laufen und in fünf Stunden versuchen, Forellen zu fischen. Naja bisher bleibt es bei dem Versuch und auf Grund einiger dunkler Wolken, die sich als Sandfly-Schwarm herausstellten, habe ich beschlossen, mich im Auto einzuschließen und ein kurzes Mini Update zu geben.
Genauere Abenteuer folgen in den nächsten Tagen und Wochen – Material ist definitiv vorhanden.

Bis dahin, alles Liebe in den europäischen Winter!

Ein Jahr in Neuseeland geht zu Ende…

lammy… und doch geht es für mich weiter. Und zwar genau hier, in Neuseeland. Rückblickend auf nun fast 12 Monate in einem fremden Land, auf einem fremden Kontinent, mit einer so anderen Mentalität als in Deutschland, kann ich sagen, dass sich vieles verändert hat. Ich habe mich verändert und das ist irgendwie ziemlich okay.

Bevor ich meine Reise angetreten habe, war mir bewusst, dass sich einiges an meiner Sichtweise verändern wird und ich Dinge und wahrscheinlich das Leben von einem ganz anderen Blickwinkel aus betrachten würde. Dass sich mein Leben allerdings so gravierend verändern würde, damit habe ich nicht gerechnet.
Ich bin davon ausgegangen, ein paar Monate hierzubleiben um dann rechtzeitig zurück zu sein und den Sommer in Deutschland zu genießen. Doch ich bin hiergeblieben.

Ich habe nach einem wundervollen Sommer, auch Herbst und Winter erleben können. Nun befinden wir uns mitten im Frühling und die Natur ist geradezu explodiert. Alles ist grün, Magnolienbäume säumen die Straßen, die Blumen blühen und Vögel zwitschern. Ach und meine Freunde die Sandflies sind auch zurück und sie lieben mein Blut immer noch.

Soviel Stadt!!!! Soviel Beton, soviel Lärm…

Am 19. November ist genau ein Jahr seit meiner Einreise vergangen und ich kann mich immer noch sehr gut an den Immigrationsbeamten am Flughafen mit seinen kritischen Fragen erinnern.
Ich kann mich auch immer noch sehr genau an die chaotische, gefühlt für immer währende Anreise erinnern. Und an das Gefühl als wir im Anflug auf Auckland waren. Soviel Stadt!!!! Soviel Beton, soviel Lärm, und so gar keine Schafe. So gar nicht das Neuseeland, was ich erwartet und erhofft habe. Wo ist das Grün, wo die Schafe und wieso gibt´s hier so unglaublich viele Kühe?

Mittlerweile hat mein Pass einen schicken Aufkleber bekommen, der besagt, dass ich mich weiter hier im Land aufhalten kann. Ich habe Natur pur, morgens werde ich von einem Mix aus Vögelzwitschern und entfernt blökenden Schafen geweckt. Ich lebe in dem Neuseeland, was ich mir still und heimlich immer erträumt habe.
Die ganze Organisation, die medizinischen Tests, der ganze Papierkram (282 Gramm und in etwa 50 Seiten Visa-Antrag) haben sich gelohnt. Ich habe gequiekt vor Freude, bin in die Luft gesprungen und hab mehr oder weniger große Freudentänze aufgeführt als ich meinen Pass mit der Verlängerung in den Händen gehalten habe. Die Freude ist immer noch da und jeden Tag wird mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann. Eigentlich wird die Freude immer größer.

Besuch aus Deutschland

Am 2. Januar kommenmeine Eltern und wir planen eine 14 tägige Tiki-Tour über die Südinsel. Endlich kann ich ihnen zeigen, was mich an Neuseeland so fasziniert und wie wunderschön es ist. Ich kann ihnen die Menschen vorstellen, die mir über die letzten Monate ans Herz gewachsen sind und all die Plätze und Orte, in die ich mich verliebt habe.

Um den ganzen die Krone aufzusetzen und mich komplett in „Besucherstress“ zu versetzen, kommt nämlich noch jemand.

Meine Ela kommt endlich wieder zurück nach Neuseeland und zwar genau einen Tag nach meinen Eltern. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, wie ich das emotional überstehen soll. Immerhin habe ich bis dahin mehr als ein Jahr, ohne meine Familie oder Freunde zu sehen, verbracht. Wahrscheinlich breche ich vor lachen und weinen zur gleichen Zeit am Flughafen zusammen. Oder schon am Tag davor. Meine Familie kommt und Ela.
Ich meine, Ela ist schließlich wie eine Schwester für mich. Über das ganze Jahr haben wir immer Kontakt gehabt und wussten, was im Leben des anderen passiert. Überhaupt habe ich festgestellt, dass ich einige, wenige aber doch ganz großartige Freunde habe. Freunde, die meine Veränderung akzeptieren, auch wenn es nicht ihr Leben wäre. Freunde, die nachfragen, hinterfragen, mit denen man kritisch diskutieren kann. Eben Freunde, auf die man immer zählen kann. Auch in dieser Hinsicht hat mich das vergangene Jahr viel gelehrt. Vor allem habe ich gelernt, wirklich auf mein Bauchgefühl zu vertrauen. Zu tun, was mich glücklich macht, meinen eigenen Weg zu gehen und zu akzeptieren, wenn es Menschen gibt, die das nicht gut finden. Das ist dann halt so. Es ist mein Weg, meine persönliche Reise, meine Art zu leben und Leben zu leben. Weil es mich glücklich macht und ich hier einfach ich sein kann.

PS: Vorausgesetzt der Empfang reicht aus, werde ich mal ein paar neue Bilder der vergangenen Monate in die Galerie laden – schaut vorbei.

Nachtrag: Bilder wird bei einem Balken Empfang wohl doch eher schwierig.

 

Entscheidungen und Papa ist der Beste

_DSC8419Es kann alles so einfach sein – wenn man es denn einmal anpackt.
Was habe ich mich drum gedrückt und wollte es einfach nicht tun. Dieser Anruf bei der Immigrations-Behörde lag mir seit Tagen auf der Seele. Ich habe hin- und her überlegt, mich im Internet kaputt gesucht, nur um danach noch verwirrter zu sein. Es geht um meinen Plan über mein Work & Travel-Jahr hinaus hierzubleiben. Eine Möglichkeit ist ein Besuchervisum zu beantragen, was mir erlaubt, weitere neun Monate hier zu verbringen. Allerdings gibt´s da Einschränkungen, Regeln, Tests und viel, viel kompliziertes Bürokratie-Zeuchs. Im Endeffekt war ich nach meiner Recherche nur noch verwirrter und wusste überhaupt nicht mehr, was gilt und was nicht.
Ich habe mir den Kopf zerbrochen, was ist, wenn ich nicht hier bleiben kann. Meine Eltern haben doch schon den Flug gebucht, um mich hier zu besuchen und ich freue mich so sehr darauf. Nach einigen mehr oder weniger unruhigen Nächten habe ich mir dann ans Herz gefasst, den Hörer in die Hand genommen und die Immigrations-Behörde angerufen. Dabei hat mein Herz gerast, ich habe Angstschweiß-Flecken unter den Achseln bekommen und beinah auch vergessen zu atmen. Die ganze Zeit in der Warteschleife musste ich an den Immigrationsbeamten vom Flughafen bei meiner Ankunft denken. Daran, wie unfreundlich er war und daran, dass ich mir wie bei einem Verhör vorkam. Doch nach einigen Minuten, untermalt von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ meldete sich eine freundliche, männliche Stimme, die mir ganz in Ruhe alles erklärt und Tipps gegeben hat. Und außerdem hat mir der nette Beamte auch noch die Fragen beantwortet, die ich beinahe vergessen hätte zu stellen UND mir einen schönen Tag gewünscht!

In kurz: Eine Bewerbung für ein Visitor-Visa ist gar kein Problem.

In lang: Ich habe folgendes zu beachten:

  •  medizinischer Test (inklusive Urinprobe und Augentest)
  • Röntgenbild der Brust
  • polizeiliches Führungszeugnis

und dann noch ein winzig kleiner Betrag an Geld auf meinem Konto

  • 1000 NZD pro Monat, den ich hierbleiben möchte, um nachzuweisen, dass ich für mich selbst sorgen kann. Wohlgemerkt OHNE  zu arbeiten.

Nun stehe ich hier vor einer organisatorischen Herausforderung im Nirgendwo und werde das Wochenende wohl damit verbringen, einen Ablauf für diese vier Dinge zu organisieren.

Punkt 1 und 2 kann ich in der übernächsten Stadt machen, muss dafür aber erstmal hinkommen. Das findet sich schon irgendwie.

Punkt 3 wird wohl am meisten Zeit in Anspruch nehmen, denn soviel ich bisher weiß, muss ich das Papier hier ausfüllen, per Post nach Deutschland schicken, um dann nach einiger Zeit es bei der Botschaft hier abholen zu können. Kann sich ja nur um Monate handeln, aber vielleicht lässt mich die Immigrationsbehörde ja auch ohne polizeilichen Nachweis hierbleiben.

Punkt 4 – puuh, da ist es wieder das Thema „Sicherheit“. So ganz bin ich  von diesen Gedanken natürlich auch nicht befreit und habe aus diesem Grund mein Auto in Deutschland behalten und es nicht vor der Reise verkauft. Einfach um genügend finanziellen Rückhalt zu haben, wenn ich wieder zurückkomme. Da es nun aber nicht so aussieht, als würde ich innerhalb der nächsten 12 Monate zurückkommen, habe ich eine Entscheidung getroffen: Das Auto wird verkauft!

„Nun ist es so weit. Unsere Wege werden sich trennen.

Ach mein kleiner, treuer Begleiter der letzten Jahre. Der schwarze Blitz hat mich so gut von A nach B gebracht, was habe ich die Autobahnen, Landstraßen und auch den Stadtverkehr mit ihm gemocht. Ich bin in ihm zu viert mit Gepäck und Lebensmitteln (und einem Kasten Bier) nach Dänemark gefahren, er hat mich auf Festivals begleitet und als Schlafplatz am Strand von St. Peter Ording gedient (auch wenn das nicht so ganz legal war). Die Hunde meiner Freunde hatten immer ein sicheres Plätzchen im Kofferraum und bei meinem Umzug von Berlin nach Hamburg hat er wunderbar viel Stauraum gehabt. Und nun wird er in andere liebevolle Hände abgegeben. Details zum Verkauf findet ihr hier:. Das könnt ihr auch gerne teilen und an Bekannte weitergeben – vielleicht kennt ja jemand, der jemanden kennt.
A Klasse zu verkaufen

Hiermit ein großes DANKESCHÖN an meinen Papa, der sich so liebevoll um den Verkauf kümmert und organisiert hat, dass das Autochen sowohl Nordseesand- als auch Hundehaarbefreit ist, mal eben einen ganzen Nachmittag damit verbringt, Staubkörner wegzupolieren und es anschließend vorteilhaft fotografiert. Selbst wenn ich 18.000 km weit weg und mittlerweile 30 Jahre alt bin, manche Dinge ändern sich einfach nie. Meine Mama würde jetzt sagen: „Du bist eben doch Papas kleine Prinzessin“.

In diesem Sinne:

 

 

Weil es sich gut anfühlt

happypig

Es hat mich zu Tränen gerührt. Ich konnte einfach nicht aufhören zu schluchzen, so überwältigend war euer Feedback auf meinen letzten Beitrag. Vielen, vielen, lieben Dank für all die unglaublich positiven und Mut machenden Reatkionen. Ich war fassunglos und habe mit offenem Mund auf die Reaktionen hier, per facebook und auch per Mail gestarrt. Dabei war ich mir zuerst unsicher, ob ich das überhaupt veröffentlichen soll.
Doch dann wiederum habe ich mir gesagt: „Hey Claudi, du bist in diesem Blog immer ehrlich gewesen, hast nicht nur geschrieben, wenn es dir richtig gut ging, sondern auch wenn es mal nicht so toll war. Du hast geschrieben, wenn du Lust hattest und wenn es sich nicht richtig angefühlt hat, dann hast es eben bleiben lassen. Und genau so soll es auch bleiben.

Wenn es sich richtig anfühlt – das ist genau das, was ich hier seit beinah 10 Monaten lebe. Eben weil es sich richtig anfühlt. Was soll ich sagen, trotz Zweifelns an mir selbst und dem Vermissen meiner Lieben, so geht es mir hier so gut wie…

„Ich war ja in Deutschland nie unglücklich…“

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wann es mir jemals so lange am Stück so gut ging. Ich meine, ich war ja in Deutschland nie unglücklich und gerade die letzten zwei Jahre in Hamburg habe ich mehr als geliebt. Aber trotzdem, hier ruhe ich mehr in mir selbst und besinne mich immer und immer wieder darauf, was mir wichtig ist und was mich glücklich macht.

happyclaudi
Jedes Mal macht mein Herz viele kleine Sprünge, wenn ich das Meer erblicke. An keinem Punkt Neuseelands ist die See mehr als etwas über 100km entfernt. Und die Berge sind mittendrin, also auch jederzeit erreichbar. Es macht mich einfach glücklich saubere Luft zu atmen und keine oder nur wenige Autos zu hören. Ich sage gar nicht, dass das in Deutschland nicht möglich ist. Doch wer mich gut kennt (oder länger), der weiß, dass ich seit Ewigkeiten davon rede, mein perfekter Ort zum Wohnen vereint die gute Erreichbarkeit von Meer und Bergen. Ich will mich nicht entscheiden müssen, was ich lieber mag. Ich liebe die Berge und den Ozean. Ich kann weder ohne das Rauschen der Wellen leben, noch ohne die unglaubliche Stille in den Bergen.

Ich habe mich an meine Schulzeit erinnert.

Ich war ungefähr 15 oder 16 Jahre alt als eine damalige Schulfreundin ein Austauschjahr in Neuseeland gemacht hat und mir erzählte, dass die Berge dort ganz nah an den Stränden sind. Schon immer mochte ich das Meer und habe die Sommerferien mit meiner Familie an der Ostsee verbracht. Genauso aber liebte ich die Berge, stand ich doch mit 8 Jahren das erste Mal auf Skiern und mit 15 dann auf meinem heiß geliebten Snowboard.
Dieser Punkt, dass mir jemand sagt, es gibt ein Land an dem meine beiden Leidenschaften nicht weit voneinander entfernt sind – ich glaube, das war der Punkt, an dem meine Liebe zu Neuseeland entstanden ist.

„Heute weiß ich, es hatte alles seinen Grund“

Damals und auch nach dem Abi war ich leider noch nicht so weit, den Schritt, alleine ins Ausland zu gehen, zu wagen. Es gab in all den Jahren insgesamt 3 Versuche ans andere Ende der Welt zu reisen, die aus verschiedensten Gründen immer und immer wieder gescheitert sind.
Heute weiß ich, es hatte alles seinen Grund. Ich habe nun die Möglichkeit, viel bewusster zu entscheiden, ob ich mein Leben hier weiter gestalten möchte oder zurück nach Deutschland gehe.
Ich bin froh darüber, dass ich hier momentan ein Leben der Locals lebe. Dass ich die positiven wie auch negativen Seiten Neuseelands richtig kennenlerne. Ja, es gibt auch einige nicht so schöne Dinge, die hier geschehen, die hauptsächlich politischer Natur sind, aber dazu ein andern Mal mehr. Ich durchlebe alle Jahreszeiten und lebe an mehreren Orten. Ich lerne Neuseeland richtig kennen und kann vielleicht irgendwann entscheiden, ob ich hier bleiben möchte. Momentan kann ich das aber noch nicht entscheiden. Was ich allerdings entschieden habe, ist, dass ich länger als das Jahr bleiben werde. Und ihr alle habt mir Mut gemacht, dieses Projekt weiterzuleben, meinen Weg zu gehen, meinen Traum zu leben.

Aktuell arbeite ich mich durch alle möglichen Visa-Optionen durch, was eine Menge Zeit und Energie kostet. Behören-Englisch ist fast so gut wie Behörden-Deutsch und die Immigrationbehörde in Neuseeland hat gefühlte 236 Unterseite zum Thema Leben & Arbeiten in NZ.
Und doch bin ich voller Zuversicht, dass sich alles finden wird. Bisher hat das Universum immer alles richtig gemacht. Eben weil es sich gut anfühlt.

Da sitzt die Maus ganz schön in der Scheisse

winter-sunriseJaja, ich weiß – ich habe die Verschriftlichung meiner Abenteuer aufs Sträflichste vernachlässigt, aber manchmal fühlt sich hier mittlerweile alles so normal an, dass ich gar nicht daran denke, es könnte interessant sein. An anderen Tagen jedoch wird mir bewusst, wie besonders und wie anders mein Leben ist. Es ist so gegensätzlich zu dem Leben in Deutschland und ich bin in der glücklichen Lage, jeden Tag aufs neue mehr oder weniger schöne und lustige Abenteuer erleben zu dürfen. Lustig vor allem weil ich wieder zurück im Hippie-Land bin – und diesmal dauerhaft.

Erinnert ihr euch noch an „Rainer Langhans & Co“? Rainer und seine weißhaarige Frau mit der Riesenbrille (so eine wie sie auf Festivals als IT-Accessoire getragen wird) sind zwar momentan nicht mit von der Partie, aber ich bin mir sicher, dass ich die beiden noch einmal treffen werde. Aber es gibt ja noch die Hippie-Häuptlingsfrau hier. In Austausch für ein Bett, helfen wir ihr 1-3 Stunden am Tag mit so ziemlich allem, was anfällt. Meistens ist es Gartenarbeit.

„Gartenarbeit hat etwas Meditatives“

Ich habe in den letzten Wochen Salat gepflanzt, Knoblauch und Bohnen in die Erde gesteckt und Obstbäume beschnitten. Natürlich konnte ich mir während der Arbeit den Gedanken nicht verwehren, dass ich im nächsten Sommer hier dann „meinen eigenen Salat“ ernten werde und ich muss ehrlich sagen, irgendwie hat diese Gartenarbeit etwas Meditatives. Statt Email zu einem bestimmten Projekt zu schreiben und darüber nachzudenken, wen ich jetzt in welcher Reihenfolge anschreibe und wer auf CC gesetzt werden muss, nehme ich einen Ast in die Hand und überlege, wo die beste Stelle zum Abschneiden ist. Ab und zu kommen ein paar Vögel vorbeigeflogen, lassen sich in der Baumkrone etwa 1 Meter neben mir nieder und beobachten, was ich so tue.
Wir schlafen in einer Werkstatt.

_DSC8292Nein, nicht in so einem muffigen Kellerraum. Die Werkstatt ist ein richtiges Haus mit vielen, vielen Fenstern, einer meerblauen Tür und Weinranken an der Fassade. Es sieht ein bisschen verwunschen aus. Neben Werkzeugen ist es vor allem Lagerplatz für allerhand Kram. Und Bücher gibt es hier. Tja und die Bücher lassen sich ganz großartig auf der 70er Jahre Couch vor dem Ofen, ich bezeichne ihn liebevoll als Kamin, lesen. Außerdem gibt es einen extra Raum mit Kochmöglichkeit. Ja, es ist einfach, aber wer sagt, dass einfach schlecht ist? Ich muss sagen, ich bin mit wenig viel glücklicher. Man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren und freut sich über das Besondere mehr bzw. weiß das eher zu schätzen. Aber zurück zur Einfachheit.

„Komposttoiletten. Nunja nicht so schlimm, das kenne ich ja schon“

Ein ganz wichtiger Ort für wichtige Bedürfnisse ist das „stille Örtchen“. Komposttoiletten. Nunja, nicht so schlimm, das kenne ich ja schon. In einem meiner nächsten Beiträge werde ich den Prozess dieser mal genauer beschreiben. In der Kurzform: Darin landet so ziemlich alles, was der Körper nicht mehr behalten will, obendrauf wird eine Schaufel Sägespäne gepackt und der sogenannte Biomüll kommt auch hin und wieder rein. Ist die Kiste voll, wird sie beiseite gestellt und nach einiger Zeit ist es die beste Komposterde, die man sich vorstellen kann. Achja und Mäuse gibt’s hier auch. Aber die gibt’s hier überall und eigentlich sind die ja auch ganz niedlich. Irgendwie hatte ich schon immer was für Mäuse übrig. Als ich ziemlich klein war, noch nicht mal in der Schule, habe ich im Wald eine Maus gefunden, beschlossen, die zu meinem Haustier zu machen, in eine Pappbox mit Watte gepackt und in einer Schublade versteckt. Die Maus ist leider gestorben und Mama hat’s auch irgendwie erfahren. Ich weiß gar nicht mehr, ob die Maus da noch lebendig war oder schon das Zeitliche gesegnet hat und Mama auf den Geruch aufmerksam geworden ist. Ganz so weit geht meine Tierliebe nun nicht mehr, aber ich stehe Mäusen durchaus aufgeschlossen gegenüber. Wenn sie jedoch anfangen, mein Essen anzuknabbern, dann ist auch meine Tierliebe stark eingeschränkt. Erst Recht, wenn sich bei dem Gang aufs stille Örtchen und dem unvermeidlichen Blick in die Tiefen der „Kompostkiste“ etwas bewegt. Und noch viel mehr, wenn ich beim zweiten, genaueren Blick sehen muss, wie mir ein kleines, knopfäugiges Mäuschen ihren Kopf durch die Scheisse entgegenstreckt. Das hat nämlich zur Folge, dass ich den Gang dorthin nur noch im Hellen vollziehe und dabei möglichst viel Lärm mache, um das scheue Wesen zu vertreiben. Funktioniert super.

„Die haben ein Wildschwein als Haustier“

Die Konsequenz daraus jedoch ist, dass das Wildschwein im Gehege hinter der Toilette auf mich aufmerksam wird. Ja, ihr lest richtig. Ein Wildschwein. Nein, dass ist kein privater Wildgehege-Zoo oder so. Sie haben einfach ein Wildschwein als Haustier. Leider hat sich dieses Wildschwein unsterblich in mich verliebt und reagiert entsprechend sobald es mich erblickt. Es ist eine SIE und jedes Mal wenn SIE in ihrer Rauschzeit ist, verfolgt sie mich. Ich spaziere nichts ahnend durch den Garten und blicke in ihr Gehege. Das dunkelborstige Etwas dreht sich langsam um, fixiert mich und plötzlich rennen ca. 180kg Schweinemasse auf mich zu. Zum Glück gibt’s da noch einen massiven Zaun zwischen mir und dem Schwein, denke ich. Aber der wird einfach ignoriert und dieses liebeswütige Schwein versucht tatsächlich am Zaun hochzuklettern. Das ist dann der Punkt ab dem ich überlege, ob ich lieber die Maus im Scheisshaus oder eine liebestolle Wildsau im Genick habe. Oh ja, du schönes Hippie-Leben – voller Aufregungen und Gefahren steckst du.

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Kiwi-Lifestyle – oder auch Englisch, was ist das?

 

20140528-112447-41087184.jpgEndlich, ich hab sie gefunden. Meine Bibel! Und ich geb sie nie wieder her.
Nach sechs Monaten in einem englisch-sprachigen Land und in permanenter Begleitung eines Muttersprachlers, stellte sich mir so oft die Frage, was mit meinen linguistischen Fähigkeiten eigentlich nicht stimmt. Ganz ehrlich, ich lese, denke, träume in englisch, aber sobald sich Kiwis unterhalten, verstehe ich ab und zu nur noch die Hälfte und des Öfteren befinde ich mich in der
Situation zwar das Vokabular zu verstehen, nicht aber den Inhalt des Ganzen. Es ist zum Verzweifeln, denn es gibt mir das Gefühl, in der Schule nicht richtig aufgepasst zu haben. Alternativ dazu habe ich, ganz wie früher, den Lehrern die Schuld gegeben, mir einfach nicht richtig Englisch beigebracht zu haben.

Nun allerdings habe ich die Ursache und auch die Lösung meines Problems gefunden.

Kiwis sind einfach anders.

Das ist kein Englisch, was die hier sprechen, das ist neuseeländisch. Doch was macht das neuseeländische Englisch so anders vom Britischen oder Amerikanischen Englisch?

Die größten Probleme sind: Die Betonung und die Abkürzung von Phrasen oder Worten. Hinzu kommt das jederzeit relaxte Lebensgefühl, dass mir mit meinen deutschen Wurzeln manchmal ziemlich zu schaffen macht.

Kiwi-Slang Punkt 1: Die Betonung/ der Akzent
Das fängt mit so simplen Dingen wie der neuseeländischen Aussprache des E an. Im Englischunterricht haben wir gelernt, dass das E gleich i ausgesprochen wird. Allerdings wird es im Britischen Englisch in den Worten doch wie E betont.
Bespiele:
Bread = Bräd (brit. Engl.) = Bridd (Kiwi Engl.)
Oder auch Eggs = äggs (brit. Engl.) = iggs (Kiwi Engl.)
Im Prinzip ist das ja auch die logischere Aussprache, nur noch nicht mit meinem britisch-amerikanisch-Akzent-geprägtem Gehirn vereinbar.

Eines Tages habe ich einen Kiwi gebeten, mir ein Wort zu buchstabieren, damit ich es im Wörterbuch nachschlagen kann, aber ich habe ihn einfach nicht verstanden. Der hat einfach einen Buchstaben benutzt, der in meinem Alphabet nicht vorkam. Es klang wie eine Mischung aus C und Z, gesprochen hat er das wie Si. Nachdem ich alle meine Synapsen angeknipst habe und mir das Denken quasi ins Gesicht geschrieben war, habe ich die Lösung gefunden. Er meinte den Buchstaben Z damit. Klar, macht ja auch Sinn als einziges englisch-sprachiges Land der Welt, den Buchstaben anders zu betonen als alle anderen Nationen. Man, selbst die Franzosen mit ihrem Akzent verstehe ich da besser.
Doch warum sagen Kiwis nun Sii an Stelle von Zädd? Eigentlich ist es ganz logisch. Lest mal das Wort „New Zealand“. Merkt ihr selber, hm? Keiner sagt: „Nju Zäddländ“, alle sprechen es „Nju Siiländ“ aus.

Kiwi-Slang Punkt 2: Abkürzen von Worten/ Phtasen
Achtung, Missverständnisse vorprogrammiert.
Hier wird für ziemlich alles der Term „Sweet as“ (gespochen: Swidäzz) benutzt. Das erste Mal habe ich den Begriff in Queenstown gehört, als sich auf der Straße zwei Typen unterhalten haben und ich im Vorbeigehen nur gehört habe: „Sweet ass“
Biddddeee? Süßer Arsch? Danke für das Kompliment, aber das kam jetzt unerwartet. Hm, die Neuseeländer sind schon sehr direkt in der Ansprache der Frauenwelt – DACHTE ich. Doch irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, etwas nicht ganz richtig verstanden zu haben. Aber statt zu fragen, habe ich einfach mal abgewartet. Die Lösung hat sich ein paar Wochen später auf dem Silbertablett präsentiert, als einem anderen Mädchen die Bedeutung von „Sweet as“ erklärt wurde. Ich habe einfach mal heimlich zugehört und leise vor mich hingekichert.
„Sweet as“ wird als verkürzte Form von „Sweet as something“ (Also süß wie irgendwas) und als allgemeine Zustimmung für fast alles benutzt. In der Häufigkeit der Benutzung kommt es direkt an zweiter Stelle nach „awesome“ (und das Wort wird wirklich inflationär für ALLES benutzt – Ich kann es nicht mehr hören).
Es geht auch noch kürzer, in dem man nur mit einem „sweet“ zustimmt. Hm sehr schön, anscheinend habe ich damals in Queenstown nur das Ende einer Unterhaltung zwischen zwei Kiwis mitbekommen und dementsprechend kein Kompliment für meinen Hintern erhalten. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das gut finden soll. Na gut, was soll´s – ich bin etwas schlauer.

Doch zurück zum Thema. Worin Neuseeländer auch ganz groß sind, ist ihre Entspanntheit in so ziemlich allen Lebenslagen.

Kiwi-Lifestyle: Entspannt, relaxt durch´s Leben
Ich schätze das wirklich sehr, aber manchmal bringt mich das einfach nur auf die Palme. „No worries“ und „Keep calm“ scheint hier genetisch bedingt zu sein.
Ein ziemlich typischer Tagesablauf ist folgender:
– to-do-Liste machen (prima, das kommt mir sehr entgegen)
– Kaffee kochen (joaar, nehm ich doch auch direkt einen)
– to-do-Liste anschauen und entscheiden, was man zuerst macht. Hmm, naja vielleicht braucht man für endgültige Entscheidung noch einen Kaffee. (ähhm wie jetzt?)
– Kaffee Nummer zwei kochen (ich hab noch nicht einmal den ersten ausgetrunken)
– Oh, die Sonne scheint, wir sollten draußen weitermachen (hmm, ja gut, wieso nicht)

… die to-do-Liste wird hervorgeholt, angeschaut und tatsächlich – man trifft eine Entscheidung. Wow, damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Das war es dann aber schon… an der Erfüllung der Liste kann man ja morgen weiterarbeiten…

In meinem neuen Lieblingsbuch „How to speak New Zenglisch“ werden all diese Punkte thematisiert und ich empfehle wirklich jedem, der länger nach Neuseeland reist, dieses Buch dabei zu haben. Jesse Mulligan trifft den Nagel auf den Kopf! Ein Beispiel dafür hier:

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