Vertraut auf euer Bauchgefühl

 Es ist der absolute Wahnsinn. Die letzten vier (!!!) Monate hier am anderen Ende der Welt sind so schnell vergangen, dass ich weder emotional verarbeiten konnte, was eigentlich geschehen ist, noch war daran zu denken, einen eingermaßen sinnvollen Blogeintrag zu schreiben.
Und nun bin ich auch schon fast wieder auf dem Weg nach Deutschland.
Nein, nicht für immer, nur für kurze Zeit – und danach heißt es wieder: „Und tschüss, ich bin dann mal weg ein bisschen. Naja, oder auch für ein bisschen länger. Oder für immer???
Puuh, also der Reihe nach. Oder soll ich Fotos auf den Tisch knallen und euch sagen: Mein Haus, mein Job, mein Visum, mein Hund?
Vielleicht doch lieber eines nach dem anderen.

Nach 1,5 Jahren des Herumreisens, Geld ausgebens, Ausprobierens und einfach nur Seins, musste der Ernst des Lebens wieder anfangen, Geld in die Kasse kommen und ich mich endlich mal dazu bekennen, was ich eigentlich will.
Ja was will ich denn eigentlich? Zurück nach Deutschland? Nein!
Hier in Neuseeland bleiben? Ja, definitiv und aus vollem Herzen.
Auch wenn ich, wie im letzten Post beschrieben, mein Hamburg sehr vermisse und natürlich auch Freunde und Familie fehlen, so fühle ich mich doch mehr mit Neuseeland verbunden, als mit dem Land in dem ich geboren wurde. Entscheidung: Job suchen, aber einer der passt, einer den ich wirklich machen will, ein Job, bei dem ich mit dem Herzen hinter stehe. Und natürlich auch in meinem Bereich, so dass das Visum auch garantiert wird.

Punkt eins – Job in Neuseeland
Die 3. Bewerbung war dann direkt ein Volltreffer. Schon beim Lesen der Anzeige wusste ich, DER Job ist es! Ich sage euch, vertraut auf euer Bauchgefühl. Beworben, Telefonat, Interview, Visum beantragt, angefangen zu arbeiten. Zack, das ging in einem Rutsch.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass der Job mich auch momentan ein wenig vom Blog schreiben abhält, weil ich da ziemlich eingespannt bin, ABER mit jeder Menge Spaß! Ich schreibe später mal dazu.

Punkt zwei – Hund in Neuseeland
Ich bin auf den Hund gekommen. Seit 6 Wochen bereichert ein Briard mein Leben. Auch wie Aubrey den Weg zu uns gefunden hat, ist eine Geschichte für sich. Nur um ihn mal kurz vorzustellen. Aubrey, fast 7 Jahre, französischer Hirtenhund und, nunja, sagen wir mal – er ist eine Persönlichkeit.


Punkt drei – Haus in Neuseeland
Ich wohne tatsächlich in meinem Traumhaus. Erinnert ihr euch noch an die Geschichte vom Maori-Weihnachtsmann? Der Mann, der uns sein Auto einfach so anvertraut hat? Nach 5 Minuten(!!!)?
Jetzt wohne ich im Paradies. Um mich herum nur Natur, kein Autolärm, nur Vögelzwitschern und das Rauschen des Baches. UND es gibt eine Badewanne – freistehend (im Haus natürlich).

Punkt vier – Besuch in Deutschland
Ich komme nach Deutschland und zwar schon in zwei Wochen. Unglücklicherweise erfordert mein Job es, dass ich mal eben rübergeflogen komme. Hahahaaa, wie wichtig sich das anhört. Also die Wahrheit ist, ja ich werde ich Deutschland auch arbeiten, aber ich habe auch ein paar Tage frei. Und diese werde ich dann damit verbringen, meine Wohnung in Hamburg aufzulösen. Und ein paar Lieblingsmenschen wiederzusehen.

Punkt fünf – Visum für Neuseeland
bzw. eigentlich Punkt 1.1.
Wegen des Job-Angebots, was die Immigration New Zealand als „skilled“ und gesucht ansieht, habe ich ein Visum für drei Jahre bekommen. DREI.

In dieser ganzen Zeit sind auch ein paar weniger schöne Dinge geschehen, die mich emotional mitgenommen haben.


So ist meine liebe Omi (im großartigen Alter von 91 Jahren) verstorben. Die Entscheidung auf Grund Geldmangels und Jobstart nicht nach Deutschland zu fliegen war wirklich nicht einfach. Ich knabbere auch immer noch daran, aber im Endeffekt muss man ja auch nach vorne schauen, denn das Leben geht weiter. Wie schnell sich das Karussell des Lebens weiterdreht, habe ich hier nun erfahren, denn all die genannten Punkte sind in nur vier Monaten geschehen.

Nun ist es aber auch an der Zeit, nach fast zwei Jahren, einmal zurück in die Heimat zu kommen und richtig Abschied zu nehmen. Denn damals, im August 2013, da habe ich bei Weitem nicht damit gerechnet, in Neuseeland zu bleiben – und schon gar nicht für immer.

Also, in spätestens 15 Tagen bin ich wieder ganz nah und bringe ein wenig Potsdam, Berlin, Hamburg und München durcheinander.

looking for dolphins

Geburtstag nach Kiwiart

catlins-video… ich bin dann mal weg. Für ein paar Tage anlässlich meines Geburtstages.
So habe ich mir das gedacht und in die Tat umgesetzt.
Nach dem letzten Jahr im Dauerregen konnte es ja wettertechnisch nicht schlimmer kommen – dachte ich.
Kann es nömlich doch. Mit Hagel, Regen, Schnee, Gewitter und auch Sonnenschein – innerhalb 24 Stunden. Aber diesmal war ich vorbereitet und habe abwechselnd Regen- und Winterjacke getragen, Mütze aufgesetzt, Thermounterwäsche angehabt (mmmmhhhh ja, ich weiß – seeeexy, aber eben praktisch) und die Nacht im Auto unter zwei Bettdecken verbracht.
Dafür hatte ich einen unglaublichen Ausblick auf das Meer, habe Seelöwen und Pinguinen getroffen und Wasserfälle bestaunt.
Hier ein kleines Video als ersten Versuch die Eindrücke mal visueller einzufangen. Viel Spaß!

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag und zu Hause angekommen, hat auch ein Päkchen aus Deutschland bei der Post auf mich gewartet! Eltern sind doch einfach die besten!

Diese unendliche Weite – und das Geräusch von Kettensägen

Central_Otago

Wie neulich, also vor langer Zeit, schon einmal angedeutet, passiert hier bei mir eine ganze Menge und ich komme einfach nicht mehr hinterher mit dem Aufarbeiten meiner Geschehnisse, Gedanken und Emotionen.

„Leben mit Millionen-Dollar-Aussicht“

Gerade eben war ich noch im Norden der Südinsel mitten im Abel Tasman angesiedelt und nun auf einmal in Central Otago. Wobei gerade eben ja nun auch nicht wirklich stimmt, denn es ist schon wieder 1,5 Monate her. Aber zurück zu Central Otago. Ich möchte an dieser Stelle die Eindrücke meiner Mum dazu wiedergeben:„Diese Weite“ oder auch „Hach, ist das schön. Claudi, schau doch mal!!! Diese Weite.“

– Stille für einige Sekunden-

Dann direkt noch einmal: „Claudiaaaa, diese Weite, jetzt schau endlich!“. Nebenbei bemerkt, ich bin die ganze Zeit Auto gefahren und habe mich dementsprechend mehr auf die Straße und den Verkehr konzentriert, als die Landschaft zu bestaunen. Aber verübeln kann man meiner Mum die Begeisterung wirklich nicht. Mich hat sie ja schon in ihren Bann gezogen, als wir mit Turbo-Pascal durch die Toskana am anderen Ende der Welt getuckert sind.
Naja, und nun lebe ich hier auf einmal. In einem Haus mit einer Millionen-Dollar-Aussicht. Wie wir sehen, sehen wir weit und breit nichts. Außer Weite, unendlicher Weite.
Central-Otago-Land-of-GoldWie wir hier hergekommen sind und was wir hier tun?
Auf dem Berg im Abel Tasman haben wir letztes Jahr eine neue Nachbarin bekommen. Aus Deutschland, und man mag es nicht glauben, aus Hamburg! Schnell haben wir herausgefunden, dass wir auf einer Wellenlänge liegen und noch schneller als wir gucken konnten, wurden aus Nachbarn Freunde.
Eines Tages erzählte sie uns, dass sie Hilfe mit der Renovierung ihres Hauses in Central Otago bräuchte und da sie wegen Tieren und Kind ihr Zuhause nicht lange allein lassen kann, haben wir ihr unsere Hilfe angeboten. Von dieser Aussicht hat aber niemand gesprochen und so waren wir ganz überwältigt, als wir hier angekommen sind und ein kleines, süßes Holzhäuschen mit unbezahlbarer Aussicht vorgefunden haben.

„Internet – $90 für 5 GB“

Der Nachteil: Internet empfange ich nur übers Handy und das ist sauteuer. Alternativ könnte ich auch Internet über Satellit ordern, aber das ist noch teurer. Eine Möglichkeit gibt es noch, das nennt sich Rural Wifi und wird von Vodafone angeboten. Immer noch teuer, aber ich bin nicht mehr an 1-5 GB pro Monat gebunden. Der Haken an der Sache ist, dass Vodafone mir das nicht geben will, weil mein Visum nur bis Mitte August gültig ist. Also kreuche und fleuche ich hier weiterhin mit unfassbar teuren ( $90 NZD!!!)5 GB pro Monat rum und versuche den Rahmen einzuhalten.

„Neues von der Visums-Front“

Achja, Visum. Auch von dieser Front gibt´s Neuigkeiten. Ich werde alles auf eine Karte setzen und Residency beantragen. Alles was mir dafür fehlt, ist ein Job-Angebot. Halt, falsch! Alles was mir dafür FEHLTE – Vergangenheit.
Ich habe nämlich eines von unserer Freundin bekommen und glücklicherweise stehen Marketing-Specialits auf der Liste der Skilled Occupations, was es möglich macht, mich über die Skilled Migrant Category zu bewerben. Das ist der GROBE Plan.
Die Details sind zu kompliziert und verwirrend und ich steige derzeit noch durch den neuseeländischen Bürokratie-Dschungel.
Fakt ist:

  • ich muss einen Englisch-Test machen (IELTS) = $385 NZD
  • meine bisherige Qualifkation beweisen und anerkennen lassen = ca. $800 NZD
  • alle Dokumente übersetzen lassen (muss natürlich zertifiziert sein) = $560 NZD
  • Führungszeugnis (das war einfach und schnell zu bekommen und natürlich ohne Eintragungen) = 15 Euro
  • plus Gebühren für die Ausstellung von Geburtsurkunde, Porto von D nach NZ,
    Zweitausfertigungen von Abschluss-Zeugnissen, weil die in einer Kiste aufm Dachboden in Hamburg versteckt sind. So gut, dass ich mich einfach nicht mehr erinnern kann, wo ich die hingetan habe.

Möchte jemand vielleicht etwas (Datenvolumen)spenden?

So, während meine Eltern in Deutschland meine Unterlagen horten und mir schicken, gebe ich hier munter die Kohle aus und die Kreditkarte kommt ganz schön ins Glühen. Nein, ich habe immer noch nicht im Lotto gewonnen, nein ich tue nichts Illegales, und ja, das Geld wird langsam knapp. Aber sei es drum. Man lebt ja nur einmal und ich habe mich dazu entschlossen, diesn, wenn auch unsicheren, Weg zu gehen. Sobald ich alle Dokumente beisammen habe und das Ergebnis des Englisch-Tests, kann ich Anfang Mai meine „Expression of Interests“ an die Immigrationsbehörde schicken.

„$510 fürs Punkte zählen“

Die zählen dann meine Punkte zusammen und wenn es für sie über 140 ergibt, dann bekomme ich die Einladung mich um Residency zu bewerben. Da wird dann ganz genau geprüft, ob das auch alles stimmt, was ich angebe und vor allem das Jobangebot und meine Qualifikationen.
Jedenfalls werde ich nur für meine Interessens-Bekundung nocheinmal $510 NZD bezahlen dürfen. Großartig, oder? Nur dafür, dass ich sagen: „Hey, ich hab einen einigermaßen guten Bildungshintergrund in Jobs für die ihr dringend Leute sucht, und ich möchte gerne in eurem Land leben und VOR ALLEM ARBEITEN. Ich möchte aktiv etwas für euer BIP tun und noch mehr Menschen von Neuseeland überzeugen. Ich möchte aktiv etwas dafür tun, dass dieses Land an mir Geld verdient.“ – Na, dann kann ich ja direkt erst mal $510 NZD fürs Punkte zählen bezahlen.

Eigentlich ein gutes System, der Staat verdient an den Träumen anderer Menschen, nur weil sie in diesem Land leben möchten. Wie handhabt das eigentlich Deutschland? Weiß das einer?
Ich will mich aber nicht beschweren, ich habe es mir so ausgesucht und Bürokratie kostet immer Zeit und Geld. Und ich meine mal ernsthaft, bei diesem Ausblick, wer berschwert sich da schon?

Central-Otago-lightning

 

Selbst bei Gewitter ist die Sicht fantastisch. Was eher wenig fantastisch ist, ist der Fakt, dass das Holzhaus bei Donner vibriert und wackelt. Und trotzdem ist es einfach faszinierend zu beobachten, mit wieviel Macht und Gewalt sich die Wolken ganz plötzlich zusammenbrauen oder aber langsam über die Berge schieben, um dann ihre ganze Kraft zu entfalten und mit einem langen, tiefen Grollen die Entladung ankündigen.

So sitze ich hier am Schreibtisch in der Mitte des Nirgendwos in Central Otago, blicke auf diese Weite, die nur am Horizont von den Südalpen begrenzt wird, schreibe nach langer Zeit mal wieder meinen Blog, recherchiere meine To-Dos für die Immigrationsbehörde, lerne für den bevorstehenden Englisch-Test und lausche dem Singen von Vögeln, dem Blöken von Schafe, dem Röhren von Hirschen (unsere Nachbarn farmen Hirsche) und einer Kettensäge!!!
Moment, Kettensäge??? Ja genau, wir sind ja hier nicht nur zum am Schreibtsisch sitzen und Blog schreiben gekommen, sondern auch um unserer Freundin zu helfen. So wird also der Garten in Ordnung gebracht, die Bäume beschnitten (dafür die Kettensäge), Wände abgeschliffen und gemalert, Fußboden neu verlegt, …, …, …, blubb, blubb, blubb, blubb… – Aus mit der romantischen Vorstellung, morgens mit einem Cappuccino am Blog zu schreiben oder aber, wenn man sich grad nicht danach fühlt, abends mit einem Glas Rotwein der untergehenden Sonne über den Bergrücken zuzuschauen und dann ein paar Zeilen zu tippen. Hier wird gearbeitet, auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Arbeit mehr plane und wann, was gemacht wird. Im Organisieren war ich schließlich schon immer sehr gut. Aber ab zu hab ich dann doch mal die Farbrolle in der Hand und streiche Wände, oder tunke meine Haare in Farbe und verteile sie anschließend ungewollt über meine gesamten Klamotten.
„Die Freuden des Renovierens der Claudia M.“ – der Titel für den nächsten Post?

Ich merke, ich schweife ab…
Zusammenfassend kann man also sagen, dass ich derzeit das Leben hier plane und versuche einen Weg zu finden, hierbleiben zu dürfen. Vor mir liegen dementsprechend ein paar Monate Kommunikation mit der Immigrationsbehörde. Wir schauen mal, was die nächsten Tage und Wochen hergeben. Vielleicht schreibe ich auch lieber über die modische Geschmacklosigkeit von bezahlbarer Mode made in NZ. Oder das Problem, schöne Möbel zu finden, welche mit Stil!!!
Ihr seht es schon, es ist alles nicht so einfach, aber ich sende euch trotzdem Umarmungen vom anderen Ende der Welt. Es ist trotzdem schön hier.
PS: Manchmal ist es richtig toll, wenn Papier so geduldig ist – bzw. mein Computer.

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Ich geh dann mal Wale retten

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Vielleicht hat es der eine oder andere in den Nachrichten mitbekommen. Vor einer Woche gab es ganz in meiner Nähe die größte Walstrandung in den letzten 10-20 Jahren.
198 Wale sind gestrandet und waren auf menschliche Hilfe und natürlich ganz viel Liebe angewiesen. Es stand überhaupt gar nicht zur Debatte, ob ich helfen möchte oder nicht. Kaum habe ich davon erfahren, lagen Neopren, Essen und Trinken auch schon im Auto und ich bin hingefahren.
Der Anblick allerdings hatte wenig mit den sanften, im Wasser schwebenden Giganten gemeinsam. Stattdessen erwartete mich ein Bild des Schreckens.

_DSC2361_BWWale, tote Wale, lebende Wale, Babywale. Manche waren still und haben die Augen sprichwörtlich vor der Welt verschlossen, manche der Riesen haben wild mit dem Schwanz um sich geschlagen. Einige hatten große, tiefrote Blasen auf dem Rücken – eine Hinterlassenschaft von Sonne und Wind, andere wieder hingegen ein pinkes Bändchen am Schwanz.

Diese waren bereits tot.

Es war die zweite Walstrandung am 14. Februar. Wieso sie wieder zurückgekommen sind, wo sie doch nur einen Tag vorher schon einmal ins Meer geleitet wurden, ist unklar. Da waren sie nun. 78 große und kleine Wale, verteilt am Strand, manche alleine, manche in Gruppen von bis zu sieben, acht Walen beieinander.
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Nach einiger Zeit Wale vorsichtig mit Wasser übergießen, wurde ich aus dem Wasser geschickt. Pause machen, ausruhen, warten bis die Flut einsetzt und dann den Walen helfen, rausszuschwimmen.

_DSC2466_BWEs hat geklappt. Von den 64 geretteten Walen, ist kein einziger wieder zurückgekommen. Was jedoch bleibt, ist die Erinnerung. Die Momente der Hilflosigkeit, die Momente der Freude, wenn das Walkalb bei einsetzender Flut seine Mutter wiederfindet, die Momente des Zusammenhalts zwischen Locals und Touristen aus aller Welt, zwischen Jungen und Alten, zwischen Männern und Frauen.

Eines noch. Möglich gemacht hat das eine ehrenamtliche Organisation, die ich an dieser Stelle erwähnen möchte. Thank you Project Jonah

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N bisschen „tipsy“ an Silvester und ganz viel Schlaf

Alkohol um 10 Uhr morgens!

Möglich macht das eine Weinverkostung und die glückliche Fügung, dass ich nicht der Fahrer bin.
Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt schon jemals um 10 Uhr morgens angefangen habe Alkohol zu trinken, aber was tut man nicht alles um seine Pflicht zu erfüllen. Ja genau, es war eine Pflicht.
Nachdem wir uns von der Nordinsel mit dem Bus und der Fähre wieder nach Picton durchgeschlagen haben und ich vor lauter Schlafentzug dezent halluziniert habe, schlägt mir der Hostelbesitzer vor, eine Weinverkostung im befreundeten Weingut „Johanneshof“ zu machen. Eigentlich schlägt er es nicht nur vor, er bestimmt das einfach so und nach nur ein paar Stunden Schlaf, die das Schlafdefizit bei Weitem nicht aufholen konnten, sitze ich mit vier anderen – mir völlig unbekannten- Mädels und trinke mich im Auftrage des Hostels durch die verschiedenen Sorten Weins. Um am Ende der Verkostung ein paar Flaschen zurück ins Hostel zu bringen und für einen gelungenen Silvesterabend zu sorgen.

„Wein muss süß sein“

Auf dem Weg rede ich ein wenig mit der doch recht resoluten Australierin, die eine Vorliebe für teuren Champagner hat, aber sich leider als Fahrer angeboten hat. Hinter mir auf der Rückbank des kleinen Mietwagens quetschen sich drei sehr junge, deutsche Mädels, die der Meinung sind, Wein muss süß (!!!) sein. Als ich das höre, bin ich doch eher froh, dass mein Gesicht ihnen abgewandt war und sie die Reaktion nicht sehen konnten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir für einen klitzekleinen Moment alle Gesichtszüge entgleist sind. „Wein muss süß sein???“
Dunkel erinnere ich mich an meine ersten Weinerfahrungen und den „Genuss“ von Lambrusco oder auch während einer Skifahrt mit der Schule an Wein aus dem Tetra-Pack. Naja, wie heißt es so schön? „Aus Erfahrung wird man klug“. In meinem Fall, hieß die Erfahrung Kopfschmerz.

Egal, da es meine erste Weinverkostung in Neuseeland ist, freue ich mich einfach nur darauf, einige Weine aus der Marlborough Region zu probieren. Man muss dazu wissen, dass sich hier Weingut, an Weingut, an Weingut reiht und man eigentlich nicht so recht weiß, welches man denn nun probieren soll. Alle stellen sie einen Sauvignon Blanc her und fast alle auch einen Pinot Grigio. Fantastischerweise wurde mir diese Entscheidung abgenommen und wie sich herausstellen sollte, ist der Johanneshof ein winzigkleines Gut, das von einem Neuseeländer, der in Deutschland studiert hat und einer Deutschen betrieben wird. Aber nun zurück zur Verkostung.
Es beginnt, es wird zu den Weinen erzählt, man schnuppert, man nimmt ein Schlückchen, man spült ein bisschen und dann entscheidet man, ob man es mag oder nicht. Meine drei kleinen Mädels sind ruhig, sehr ruhig. Ich denke, sie wissen nicht so richtig, wie sie sich verhalten sollen und vielleicht sind auch ein bisschen unsicher.
Wein Nummer zwei, es wird etwas munterer und hinter mir vernehme ich, dass der Wein ja gar nicht süß sei und wir den auf gar keinen Fall mit zurück ins Hostel nehmen. Schnell wieder woanders hinschauen und versuchen, sich jetzt bloß nicht zu verschlucken. Mir gefällt der Sauvignon Blanc nämlich ausgesprochen gut und ich kenne ein paar Menschen, die den eindeutig süß finden. Ich hingegen finde einfach nur, dass er eine wunderbare Kombination aus fruchtigen Noten ist. ABER wie bei Allem ist das ja immer eine Geschmackssache.
Nach zwei Schlückchen merke ich, dass sich mein Schlafmangel und der Alkohol überhaupt nicht miteinander vertragen. Die Beine werden wackelig, ich merke wie mir das Blut in die Wangen schießt und schon wieder fühle ich mich an meine ersten Erfahrungen mit Alkohol erinnert. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein Körper einfach nix mehr gewöhnt ist und ich gehe lieber auf Nummer sicher und dazu über bei den anderen Proben nur noch ein wenig zu nippen. Irgendwann muss sich ja „Lebenserfahrung“ auch auszahlen.

Die drei jungen Damen nämlich, haben das offensichtlich noch nicht gelernt. Amüsisert beobachte ich, wie die Runde immer munterer und heiterer wird und wir kommen erst noch zu dem wirklich süßen Wein – der Gewürztraminer, der eher als Dessert-Wein getrunken wird. Mir selbst als Dessert-Wein zu süß, lese ich auf den Gesichtern der Ladys helle Begeisterung, eifriges Kopfnicken und die Entscheidung: „Davon nehmen wir was zurück mit ins Hostel“.
Spontan beschließe ich doch noch einen größeren Schluck zu nehmen und mir die Entscheidung der Mädels einfach egal werden zu lassen.
Zum Schluss kommt der Champagner, der nicht Champagner heißen darf, aber mindestens genauso gut sein soll. Da ich den Punkt des Genießen schon überschritten habe, finde ich es einfach nur trocken, sehr trocken und ich mag es einfach gar nicht. Ich möchte an dieser Stelle aber betonen, dass ich wirklich nicht in der Lage war, eine neutrale Einschätzung der Lage abzugeben und komme daher auf das Urteil, der Champagner liebenden Australierin zurück. Denn obwohl sie unser Fahrer ist, genehmigt sie sich ein Schlückchen zur Probe und kauft sogar zwei Flaschen für ihre Freunde, die am Abend ankommen sollen und ebenfalls Champagner Liebhaber sind.
Vor meinem inneren Auge läuft ein Film über junge, gelangweilte Australierinnen ab, die ihr Leben mit Champagner auf der Pferderennbahn beprosten und dabei lustige Hütchen aufhaben. Ein kleines Kichern kommt in meiner Kehle auf – manchmal kann ich mein Kopfkino einfach nicht ausschalten.
Die ganze Situation kommt mir so furchtbar lächerlich vor. Ich, die Champagner liebende Australierin, die nichts trinken darf und die drei beschwipsten „Süßen“, diese Kombination wäre wohl auf freiwilliger Basis so nie zu Stande gekommen.

„Einfach nur Schlaf“

Vielleicht kommt es mir auch nur so unerträglich lächerlich vor, weil mein Körper sich so sehr nach Bettruhe sehnt. Sechs Stunden Busfahrt bis nach Wellington, einige Stunden Aufenthalt in Wellington bis die Fähre abfährt und noch einmal 3 Stunden Fährfahrt mit anschließendem zum Hostel laufen und warten, dass unser Freund die Tür aufmacht, ist dann doch zuviel für mich.

Es ist Silvester und ich will schlafen!!!

Nach 1,5 Stunden und einer kleinen Tour durch den Keller mit Privatschätzen (Wein) ist das Prozedere beendet. Unsere Runde versammelt sich im Auto und mehr oder weniger schweigend geht es zurück nach Picton. Warum die Mädels schweigen, weiß ich nicht. Ich schweige, weil ich müde bin. Sehr müde. Schlaf, Schlaf, Schlaf! Mein ganzer Körper ruft, ach was schreit förmlich danach. Es ist mittlerweile 12 Uhr mittags und Silvester, doch ich lege mich tatsächlich schlafen.
Gegen Nachmittag wache ich auf und wir entscheiden, einfach nur etwas zu kochen, ein wenig was zu trinken und anschließend zum Hafen zu wandern und das Feuerwerk zu bestaunen. Picton soll eines der besten Feuerwerke haben, die Neuseeland zu bieten hat.
Im Supermarkt das gleiche Chaos wie in Deutschland. Hilfe, Feiertag, wir müssen einkaufen. JETZT!
Relativ schnell habe ich meine Habseligkeiten zusammen und natürlich muss ich mich ausweisen. Mittlerweile habe ich nämlich rausgefunden, dass Supermärkte selbst bestimmen können, bis zu welcher Altergrenze man sich ausweisen muss, um zu zeigen, dass man berechtigt ist, Alkohol zu kaufen. Da hängen überall im Supermarkt so kleine Tafeln auf denen steht, dass man doch bitte entschuldigen soll, nach dem Ausweis gefragt zu werden, wenn man jünger als 2… aussieht. Die zweite Zahl ist austauschbar und kann 25 oder 28 oder was auch immer sein. Am 31.12. bitten sie um Verständnis, wenn man jünger als 28 Jahre aussieht. Ich freue mich schon während des Gangs zur Kasse. Endlich! Endlich kann ich meinen neuseeländischen Führerschein vorzeigen, den ich zu diesem Punkt erst seit zwei Wochen hatte. Ich werde ihn an dieser Stelle hier nicht zeigen, denn auf dem Foto sehe ich echt aus wie ein Verbrecher. Wenn man den neuseeländischen Führerschein beantragt, muss man 1. seinen Deutschen abgeben (wird zur Botschaft geschickt oder so!?) und 2. machen die das Foto vor Ort, welches man nicht sieht. Das ist so n bisschen wie Glücksspiel. Das Ergebnis haste dann erst zwei, drei Wochen später im Briefkasten und ändern kannste nüscht mehr. Allerdings hätte mich der Kommentar der Behördendame aufmerksam machen sollen, als sie mir ein „lovely“ (gemeint wie reizend) über ihren Brillenrand zuwarf. Ich meine, das tropft doch eigentlich nur so von Sarkasmus. Wie dem auch sei, ich konnte endlich meinen Identität und mein Alter mit einem offiziellen, neuseeländischen Dokument bezeugen, was mich doch schon stolz gemacht hat. Ich hoffe nur, dass ich mit dem neuseeländischen Führerschein auch noch in Deutschland fahren darf.

Wo war ich stehen geblieben? Achja, Silvester.

Bekocht wurde ich dann. Irgendwas sehr Leckeres mit Lachs und Gin Tonic dazu. Und Gin Tonic als Vorspeise und Gin Tonic als Nachspeise. Das Kochen dauert lange, sehr lange. So lange, dass wir anderen Hostelgästen beim betrunken werden zuschauen konnten. So lange um die ganze Show zu sehen, die zwischen jungen Teenies im Holiday-Modus zweierlei Geschlechts abspielt. Wieder einmal habe ich die Daseinsberechtigung des Wortes Fremdschämen erkannt. Mir wird es zuviel, draußen regnet es. Regen??? Hallo, ich dachte es ist Sommer und wieso regnet es denn jetzt an Silvester? Ach was, ich bin müde, also ab ins Bett.
Um Punkt 23.54 Uhr in der Silvesternacht liege ich im Bett, denke daran, wie Silvester in Deutschland wäre und bereue es ein wenig, nicht zum Hafen und zum Feuerwerk gegangen zu sein. Es wird 12 Uhr und das Feuerwerk beginnt. Eine Minute, zwei Minuten -wohlgemerkt, es nieselt immer noch- sieben Minuten, zehn Minuten, Ende! Was? Zehn Minuten Feuerwerk und das ist eines der besten, die Neuseeland zu bieten hat? Hmm, in dieser Minute merke ich, dass die Entscheidung im Bett zu liegen, doch mehr als gut war. Ausruhen, schlafen, Energie tanken für die nächsten zwei Wochen.

„Zwei Wochen Urlaub mit den Eltern“

Denn in zwei Tagen kommen auch schon meine Eltern und ich verbringe Urlaub mit ihnen. Über ein Jahr habe ich sie nicht mehr gesehen. Über ein Jahr gab es nur Skype-Telefonate und WhatsApp Nachrichten. Und dann gibt´s aufeinmal einen ganzen Urlaub mit ihnen. Zum ersten Mal seit 15 Jahren nur meine Eltern und ich. Ich denke, dass kann nur interessant werden und lasse das alte Jahr mit den Gedanken an Familie und Freunde ausklingen und schlafe ein.

Leben passiert – einfach so und ganz schön viel

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Und weil manchmal so viel auf einmal passiert, bin ich einfach nicht mehr hinterhergekommen, alles festzuhalten, aufzuschreiben, geschweige denn auch nur annähernd zu verarbeiten.

Die letzten zwei Monate waren emotional schlicht und einfach überwältigend. Da war die Reise auf die Nordinsel, wo ich Weihnachten in nun meiner Kiwi-Familie gefeiert habe, dann zwei Wochen mit meinen Eltern, anschließend ein paar Tage mit Ela und direkt danach dann dieses Luminate-Festival!
Ach und ein neues Auto haben wir auch gekauft, was nun darauf wartet zum Schlafplatz umgebaut zu werden und uns weitere Reisen ermöglicht.
Diese Reisen werden schon in ein paar Tagen starten, denn für uns geht es weiter Richtung Süden.

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Gerade spannen wir zwischen all den Abenteuern aus und genießen Sommer. Das bedeutet in Gummistiefeln flussaufwärts zu laufen und in fünf Stunden versuchen, Forellen zu fischen. Naja bisher bleibt es bei dem Versuch und auf Grund einiger dunkler Wolken, die sich als Sandfly-Schwarm herausstellten, habe ich beschlossen, mich im Auto einzuschließen und ein kurzes Mini Update zu geben.
Genauere Abenteuer folgen in den nächsten Tagen und Wochen – Material ist definitiv vorhanden.

Bis dahin, alles Liebe in den europäischen Winter!

Weihnachten in Neuseeland – Oder wieso der Weihnachtsmann ein Maori ist

MerryChristmas

Entweder bin ich einfach nur unglaublich mit Glück gesegnet oder es gibt doch noch Menschen auf dieser Welt, die sich darauf besinnen, was Nächstenliebe bzw. wie kostbar und wertvoll Vertrauen ist somit eines der schönsten Geschenke der Welt.

Pünktlich vor Weihnachten begeben wir uns auf die Reise, um die bevorstehenden Feierlichkeiten mit der Familie zu begehen und ahnen noch nicht, auf wieviel Freundlichkeit wir stoßen werden. Da unser Van Charlie ja im März jeglichen Lebenswillen verloren hat und wir seitdem ohne Auto sind, haben wir uns in das Abenteuer hitchhiken begeben. Ich persönlich finde es ja nach wie vor mehr als faszinierend, dass man hier so schnell nur mit dem rausgestreckten Daumen von A nach B kommt und die Leute gewillt sind, wildfremde Menschen mitzunehmen. So abenteuerlich das Ganze auch sein kann, so muss man sich (gerade als Frau) der Risiken bewusst sein. Ich für mich habe entschieden, dieses Abenteuer nur in Begleitung zu wagen, auch wenn Leute wohl mal eher eine als zwei Personen in ihrem Auto mitnehmen. Sei es drum, wir haben Zeit und für den Weg zur Fähre zwei Tage inklusive Übernachtung in Picton im mittlerweile heiß geliebten Hostel Jugglers Rest  eingeplant.

„Ich muss mal eben noch eine Kleinigkeit abholen…“

Schon der erste Teil der Reise läuft besser als erwartet. Unsere Nachbarin fährt am selben Tag in die Stadt und nimmt uns mit. Während wir unterwegs mit ihr sind, beschließt sie noch „eine Kleinigkeit“ abzuholen und wir könnten ihr dabei helfen: Ganz kurz denke ich: „Aber wir haben doch keine Zeit, wir müssen doch noch weiter“. Im nächsten Moment ist das aber schon wieder vergessen, denn schließlich hilft sie uns und wir ihr. So wäscht eine Hand die andere und alle sind glücklich. Das Zeitproblem wird schon irgendwie werden. Die besagte Kleinigkeit stellt sich als zwei Haufen Backsteine raus, die sie ersteigert hat und für ihr Grundstück braucht. Das nenne ich mal Understatement – die Kiwis sind ganz große Klasse darin. Und auch wenn sie eigentlich Deutsche ist, so hat sie die Untertreibung schon ziemlich verinnerlicht. Sei es drum. Wir packen mit an und laden die Steine ins Auto und verfrachten uns später zwischen zwei Hunde (einer so groß wie ein Schaf), unsere Rucksäcke und die Spielsachen ihrer Tochter. Mittlerweile ist es schon zwei Stunden nach unserer kalkulierten Zeit und ich bin ein wenig besorgt, ob wir es an diesem Tag so weit schaffen wir vorgenommen. Während ich noch in schöner deutscher „immer über alles Besorgheit“ vor mich grübele, bietet sie auf einmal an, uns in die nächste Stadt zu fahren – als Ausgleich, weil wir ihr geholfen haben. Wir haben sogar noch Zeit für einen Kaffee und stellen uns frisch gestärkt an den Straßenrand, um weiter nach Picton zu kommen.

„Es fahren einige Autos vorbei…, die uns leider nicht mitnehmen können“

Daumen raus, lächeln, Schild halten, winken. Es fahren einige Autos vorbei, die uns jedoch zuwinken und verstehen geben, dass sie uns leider nicht mitnehmen können. So vergehen Minuten und es ist durchaus unterhaltsam. Bis es anfängt zu regnen. Den grauen Himmel habe ich schon seit geraumer Zeit im Auge gehabt, aber es hilft alles nichts, da müssen wir jetzt eben durch. Also Regenjacke an, Regencover über den Rucksack gezogen, Daumen wieder rausstrecken.
Und wer sagt es denn, da kommt ein Auto, es blinkt, es fährt links ran…

… und es fährt auf der Parkplatz – Vorfreude kann so schön sein.

Das geschieht noch einige Male und mittlerweile stört mich weder das, noch der Regen. Ich freue mich einfach so sehr auf ein richtiges Kiwi-Weihnachten, dass ich lache und vor mich hinstrahle. Anscheinend hat das die richtige Wirkung.

„Wo die Reise hingeht“

So hält ein älterer Maori-Mann an und bietet an, uns ein paar Kilometer mitzunehmen, was definitiv schon mal hilft. Wir steigen ein und genau in diesem Moment fängt der Regen an loszuprasseln. Es schüttet wie aus Eimern und spätestens jetzt bin ich sehr, sehr froh, dass wir im schützenden Auto sitzen.
Tokowha fragt, wohin die Reise geht und es stellt sich heraus, dass er in dem Ort geboren wurde, wo unsere Reise hinführt und in ein paar Tagen auch dort hinfährt. Dann erzählt er uns von seinem Problem. Er hat dort für einen Freund ein Auto gekauft und weiß nun nicht, wie er zwei Autos dorthin bringen soll. Noch während er sich durch den Regen kämpft, wird er langsamer, schaut nach links, schaut über seine Schulten nach hinten zu mir und fragt plötzlich, ob wir nicht das Auto überführen wollen.

„Mit einem Mal haben wir ein Auto“

Zuerst denke ich, ich habe es nicht richtig verstanden, doch dann sehe ich den erwartungsvollen Blick und realisiere, dass er uns tatsächlich angeboten hat, ein Auto von ihm dorthin zu fahren, wo wir hinmüssen.

„WAAAAASSS??? Der kennt uns doch gar nicht.“, schießt es mir durch den Kopf. Ich meine, wer würde denn in Deutschland jemand Fremden ein Auto anvertrauen? Völlig verwundert und erstaunt frage ich, ob ich darüber ein wenig nachdenken könnte. Er schmunzelt nur und sagt, dass das überhaupt kein Problem sei und ich soll mir nicht den Kopf zerbrechen, er würde auch das Fährticket für das Auto bezahlen. Wir müssten nur den Sprit übernehmen. Kurzentschlossen handle ich ganz nach dem Motto „No worries“ und sage zu.

„Das schöneste Haus der Welt“

Also fahren wir zu seinem Grundstück und darauf steht ein wunderschönes, altes und mit viel Liebe restauriertes, viktorianisches Holzhaus. Ich habe mich erneut verliebt. Dieses Haus ist so simpel und doch so elegant. Eine Veranda umringt das ganze Haus mit feinen, weißen Verzierungen am Dach. Der Rest ist naturbelassen holzfarben und gibt einen wunderschönen Kontrast zu der feingliedrigen Arbeit. Innendrin erwartet uns ein großer, lichtdurchfluteter Raum mit offener Wohnküche, einem Kamin und einem Erker mit eingebauter Sitzbank. Wie wir erfahren, war das ursprünglich der Platz des Kamins. Am Sims der Erkerbank ist eine faszinierende Bildhauerei mit Maori-Motiven eingearbeitet, was eine wundervolle Idee ist, die ursprünglichen Bewohner Neuseelands mit der westlichen Kultur zu vereinen. Auch der Rest des Hauses ist ein gelungener Mix aus modernen Elementen und feiner Architektur und rustikaler Gemütlichkeit eines Holzhauses. Hätte ich das Geld, ich hätte das Haus umgehend gekauft – sofort. So aber war ich einfach dankbar, ein Haus wie dieses sehen zu können.
Tokowha zeigt uns auch den Rest des Grundstücks sowie das zu überführende Auto. Währenddessen unterhalten wir uns weiter und es kommt mir gar nicht vor, als würden wir zwei völlig Fremde sein. Vielleicht kommt es mir so vor, weil er den neuseeländischen Winter in Deutschland (ja richtig gelesen, IN DEUTSCHLAND) verbringt und viele deutsche Freunde hat. Er erzählt, dass er Touren anbietet, bei den Touristen auf der einen Seite Neuseeland kennenlernen, aber das der größte Teil darin besteht, Neuseeland wirklich kennenzulernen und Einblicke in die Traditionen der Maori gewährt. Soviel habe ich in den letzten Jahren über Maori gelesen, aber nichts wirklich gelernt. Und obwohl ich nun schon seit über einem Jahr in Neuseeland bin, habe ich noch keinen Maori richtig kennengelernt. Also nichts, was über Small-Talk hinaus geht.

„Vertrauen ist ein Geschenk“

Er ist eine Seele von Mensch – lustig und warmherzig und offen. Ich hoffe wirklich, dass wir ihn noch einmal wiedertreffen, denn ich glaube, dass er jemand ist, von dem wir ganz viel lernen können. Ich sag nur: Vertrauen.
Am Ende unseres Gesprächs, ist alles organisiert. Fähre gebucht, Auto vollgetankt, wir haben den Schlüssel in der Hand und ab geht es Richtung Norden.
In Picton angekommen und in unserem Lieblingshostel eingecheckt, suche ich mir erst einmal eine ruhige Ecke (das Murmeltier-Bett) zum Verarbeiten aller Eindrücke. Ich kann es nicht fassen, dass innerhalb von 24 Stunden gleich zwei Menschen auf ihre Art und Weise gezeigt haben, wie wichtig Vertrauen ist.

Vertrauen in das Gute im Menschen. Vertrauen darauf, dass alles einen Sinn hat. Vertrauen, dass alles gut wird. Vertrauen in andere.
Und vor allem: Vertrauen in sich selbst.
Diese Erkenntnis ist eines der schönsten Weihnachtsgeschenke in meinem ganzen Leben.

Danke Santa Tokowha!

DearSanta

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tramping nach Kiwi-Art

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Anlässlich meines ersten vollendeten Jahres hier in Neuseeland dachte ich mir, machste mal was, was alle Kiwis machen und womit die hier aufwachsen. Tramping. Und damit spreche ich nicht von per Anhalter fahren, wobei das auch alle hier machen. Nein, mit Tramping meine ich hiken oder auch wandern, gern auch mit Übernachtung im Bush in einer Hütte, die meistens von DOC (die neuseeländische Naturschutzbehörde) gestellt wird.
Mein letztes Wanderexperiment ist mir noch gut in Erinnerung und ich wollte diesen Kraftakt nicht so gern wiederholen. Statt Höhenmeter zu erreichen und fast vom Gipfel geweht zu werden, habe ich mich lieber für einen entspannten Weg über Farmland, inmitten grüner Hügel und Wiesen und mit vielen Schafen entschieden. Etwa nach der Hälfte geht es dann in den für den Abel Tasman so typischen und wunderschönen Dschungel artigen Bush über.

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Da es hier ja keine giftigen Tiere gibt, die einem was tun können, holen sich Kiwis ihre Action woanders her. Sie basteln die Wege nicht etwa um Hindernisse herum oder machen eine Über- bzw. Unterquerung einfacher, neee, da wird das einfach so gelassen und man muss zusehen, wie man weiterkommt. Im Klartext heißt das, dass da Bäume im Weg liegen, über die man klettern muss und man Modderlöcher erst erkennt, wenn man mindestens schon knietief drin steckt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt habe ich den Sinn dieser Zipper-Hosen erkannt, diese Reißverschluss-auf-Hosenbein-ab-Systeme. Ich persönlich stecke lieber mit dem nackten Bein im Modder, als mit der halben Hose. Passiert es trotzdem, dass die Hose statt einem statten Dunkelblau eher einem lehmigen Ocker gleicht, braucht man aber nicht zu verzagen, denn der nächste Fluss kommt bestimmt.

„Wozu braucht man eigentlich Brücken?“

Da es bis zu diesem Punkt auch immer noch nicht genug Aufregung ist, steht man dann vor dem Fluss und sieht den Track auf der anderen Uferseite weitergehen. So weit so gut, doch wo ist die Brücke? Überraschung, es gibt keine Brücke, und auch keinen Steg oder sonst irgendwas – man läuft einfach durch den Fluss. Und zwar völlig unabhängig davon, ob das Wasser knöcheltief ist oder einem bis zur Hüfte reicht.

Da ich nicht vorhatte, in nassen Schuhen weiterzulaufen, habe ich mir was ganz cleveres ausgedacht. In diesen hinreißend klaren Bächen gibt es hin und wieder einzelnen Steine, die aus dem Wasser herausragen und einen wunderbaren Pfad ans andere Ufer bilden. Wunderbar, also doch keine nassen Füße. Was ich allerdings nicht bedacht habe, ist, dass diese hinreißenden Bäche in der Tat auch eine hinreißende Wirkung haben und leider etwas rutschig sind. Nun ja, sagen wir mal, mit dem Rucksack auf dem Rücken, ist mein Balancegefühl nicht das allerbeste und ich konnte mir bei dieser Gelegenheit die Steine IM Wasser etwas genauer anschauen. Hübsch… und das Wasser… so klar.

In diesem Augenblick ist mir noch etwas klar geworden. Kiwis laufen lieber mit Schuhen durchs Wasser und sind ein bisschen nass, als auszurutschen und überall nass zu sein.
Da ich ja durchaus lernfähig bin, waren die weiteren Flussüberquerungen kein Problem und ich bin, als hätte ich mein Leben nichts anderes getan, schnurstracks durchs Wasser gelaufen. Bei dieser Gelegenheit hat sich _DSC9404auch der Modder von den Hosenbeinen und das Problem mit der dreckigen Hose gelöst. Belohnt wurde die ganze „Aufregung“ (für Kiwis ist das schließlich nur ein Spaziergang, den man am Wochenende mit der Familie macht) mit einer wunderschönen, alten Hütte, die für zwei Nächte mein Übernachtungsdomizil wurde. Sie ist zwar sehr einfach, aber immerhin Maus- und Rattensicher und sie hat als eine der letzten Hütten in Neuseeland noch eine offene Feuerstelle.

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So ein wenig Hüttenromantik anlässlich meines 1-Jährigen hier, ist schon was besonderes. Und was kann es Besseres geben, als sich bei einem Glas Rotwein bekochen zu lassen und dem Knistern des Feuers zu lauschen.

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Während sich Kiwis so gar keinen Kopf über nasse Schuhe und den nächsten Tag machen, habe ich natürlich versucht, die Schuhe am Feuer zu trocknen. Naja, wie soll ich sagen. Ich glaube, die Schuhe standen ein bisschen zu nah am Feuer und irgendwie hat ein Teil der Schuhe der Hitzeentwicklung nicht ganz standgehalten. Ein leichter, aber beißender Geruch hat mich ruckartig aus meinen Träumen gerissen. Ein wenig hat mich das an meinen Teddy aus Kindertagen erinnert. Der mochte den Platz am Ofen auch nicht und hat nach einer relativ kurzen Lebensdauer entschieden, sich auf den Friedhof der Kuscheltiere zu begeben.

Nun, die Schuhe sind nach wie vor tragbar und mit der kleinen Brandnarbe auf dem Stoff auch unverwechselbar und mein kleiner Tramping-Trip wird mir somit noch länger im Gedächnis bleiben.

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Ein Jahr in Neuseeland geht zu Ende…

lammy… und doch geht es für mich weiter. Und zwar genau hier, in Neuseeland. Rückblickend auf nun fast 12 Monate in einem fremden Land, auf einem fremden Kontinent, mit einer so anderen Mentalität als in Deutschland, kann ich sagen, dass sich vieles verändert hat. Ich habe mich verändert und das ist irgendwie ziemlich okay.

Bevor ich meine Reise angetreten habe, war mir bewusst, dass sich einiges an meiner Sichtweise verändern wird und ich Dinge und wahrscheinlich das Leben von einem ganz anderen Blickwinkel aus betrachten würde. Dass sich mein Leben allerdings so gravierend verändern würde, damit habe ich nicht gerechnet.
Ich bin davon ausgegangen, ein paar Monate hierzubleiben um dann rechtzeitig zurück zu sein und den Sommer in Deutschland zu genießen. Doch ich bin hiergeblieben.

Ich habe nach einem wundervollen Sommer, auch Herbst und Winter erleben können. Nun befinden wir uns mitten im Frühling und die Natur ist geradezu explodiert. Alles ist grün, Magnolienbäume säumen die Straßen, die Blumen blühen und Vögel zwitschern. Ach und meine Freunde die Sandflies sind auch zurück und sie lieben mein Blut immer noch.

Soviel Stadt!!!! Soviel Beton, soviel Lärm…

Am 19. November ist genau ein Jahr seit meiner Einreise vergangen und ich kann mich immer noch sehr gut an den Immigrationsbeamten am Flughafen mit seinen kritischen Fragen erinnern.
Ich kann mich auch immer noch sehr genau an die chaotische, gefühlt für immer währende Anreise erinnern. Und an das Gefühl als wir im Anflug auf Auckland waren. Soviel Stadt!!!! Soviel Beton, soviel Lärm, und so gar keine Schafe. So gar nicht das Neuseeland, was ich erwartet und erhofft habe. Wo ist das Grün, wo die Schafe und wieso gibt´s hier so unglaublich viele Kühe?

Mittlerweile hat mein Pass einen schicken Aufkleber bekommen, der besagt, dass ich mich weiter hier im Land aufhalten kann. Ich habe Natur pur, morgens werde ich von einem Mix aus Vögelzwitschern und entfernt blökenden Schafen geweckt. Ich lebe in dem Neuseeland, was ich mir still und heimlich immer erträumt habe.
Die ganze Organisation, die medizinischen Tests, der ganze Papierkram (282 Gramm und in etwa 50 Seiten Visa-Antrag) haben sich gelohnt. Ich habe gequiekt vor Freude, bin in die Luft gesprungen und hab mehr oder weniger große Freudentänze aufgeführt als ich meinen Pass mit der Verlängerung in den Händen gehalten habe. Die Freude ist immer noch da und jeden Tag wird mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann. Eigentlich wird die Freude immer größer.

Besuch aus Deutschland

Am 2. Januar kommenmeine Eltern und wir planen eine 14 tägige Tiki-Tour über die Südinsel. Endlich kann ich ihnen zeigen, was mich an Neuseeland so fasziniert und wie wunderschön es ist. Ich kann ihnen die Menschen vorstellen, die mir über die letzten Monate ans Herz gewachsen sind und all die Plätze und Orte, in die ich mich verliebt habe.

Um den ganzen die Krone aufzusetzen und mich komplett in „Besucherstress“ zu versetzen, kommt nämlich noch jemand.

Meine Ela kommt endlich wieder zurück nach Neuseeland und zwar genau einen Tag nach meinen Eltern. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, wie ich das emotional überstehen soll. Immerhin habe ich bis dahin mehr als ein Jahr, ohne meine Familie oder Freunde zu sehen, verbracht. Wahrscheinlich breche ich vor lachen und weinen zur gleichen Zeit am Flughafen zusammen. Oder schon am Tag davor. Meine Familie kommt und Ela.
Ich meine, Ela ist schließlich wie eine Schwester für mich. Über das ganze Jahr haben wir immer Kontakt gehabt und wussten, was im Leben des anderen passiert. Überhaupt habe ich festgestellt, dass ich einige, wenige aber doch ganz großartige Freunde habe. Freunde, die meine Veränderung akzeptieren, auch wenn es nicht ihr Leben wäre. Freunde, die nachfragen, hinterfragen, mit denen man kritisch diskutieren kann. Eben Freunde, auf die man immer zählen kann. Auch in dieser Hinsicht hat mich das vergangene Jahr viel gelehrt. Vor allem habe ich gelernt, wirklich auf mein Bauchgefühl zu vertrauen. Zu tun, was mich glücklich macht, meinen eigenen Weg zu gehen und zu akzeptieren, wenn es Menschen gibt, die das nicht gut finden. Das ist dann halt so. Es ist mein Weg, meine persönliche Reise, meine Art zu leben und Leben zu leben. Weil es mich glücklich macht und ich hier einfach ich sein kann.

PS: Vorausgesetzt der Empfang reicht aus, werde ich mal ein paar neue Bilder der vergangenen Monate in die Galerie laden – schaut vorbei.

Nachtrag: Bilder wird bei einem Balken Empfang wohl doch eher schwierig.

 

Entscheidungen und Papa ist der Beste

_DSC8419Es kann alles so einfach sein – wenn man es denn einmal anpackt.
Was habe ich mich drum gedrückt und wollte es einfach nicht tun. Dieser Anruf bei der Immigrations-Behörde lag mir seit Tagen auf der Seele. Ich habe hin- und her überlegt, mich im Internet kaputt gesucht, nur um danach noch verwirrter zu sein. Es geht um meinen Plan über mein Work & Travel-Jahr hinaus hierzubleiben. Eine Möglichkeit ist ein Besuchervisum zu beantragen, was mir erlaubt, weitere neun Monate hier zu verbringen. Allerdings gibt´s da Einschränkungen, Regeln, Tests und viel, viel kompliziertes Bürokratie-Zeuchs. Im Endeffekt war ich nach meiner Recherche nur noch verwirrter und wusste überhaupt nicht mehr, was gilt und was nicht.
Ich habe mir den Kopf zerbrochen, was ist, wenn ich nicht hier bleiben kann. Meine Eltern haben doch schon den Flug gebucht, um mich hier zu besuchen und ich freue mich so sehr darauf. Nach einigen mehr oder weniger unruhigen Nächten habe ich mir dann ans Herz gefasst, den Hörer in die Hand genommen und die Immigrations-Behörde angerufen. Dabei hat mein Herz gerast, ich habe Angstschweiß-Flecken unter den Achseln bekommen und beinah auch vergessen zu atmen. Die ganze Zeit in der Warteschleife musste ich an den Immigrationsbeamten vom Flughafen bei meiner Ankunft denken. Daran, wie unfreundlich er war und daran, dass ich mir wie bei einem Verhör vorkam. Doch nach einigen Minuten, untermalt von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ meldete sich eine freundliche, männliche Stimme, die mir ganz in Ruhe alles erklärt und Tipps gegeben hat. Und außerdem hat mir der nette Beamte auch noch die Fragen beantwortet, die ich beinahe vergessen hätte zu stellen UND mir einen schönen Tag gewünscht!

In kurz: Eine Bewerbung für ein Visitor-Visa ist gar kein Problem.

In lang: Ich habe folgendes zu beachten:

  •  medizinischer Test (inklusive Urinprobe und Augentest)
  • Röntgenbild der Brust
  • polizeiliches Führungszeugnis

und dann noch ein winzig kleiner Betrag an Geld auf meinem Konto

  • 1000 NZD pro Monat, den ich hierbleiben möchte, um nachzuweisen, dass ich für mich selbst sorgen kann. Wohlgemerkt OHNE  zu arbeiten.

Nun stehe ich hier vor einer organisatorischen Herausforderung im Nirgendwo und werde das Wochenende wohl damit verbringen, einen Ablauf für diese vier Dinge zu organisieren.

Punkt 1 und 2 kann ich in der übernächsten Stadt machen, muss dafür aber erstmal hinkommen. Das findet sich schon irgendwie.

Punkt 3 wird wohl am meisten Zeit in Anspruch nehmen, denn soviel ich bisher weiß, muss ich das Papier hier ausfüllen, per Post nach Deutschland schicken, um dann nach einiger Zeit es bei der Botschaft hier abholen zu können. Kann sich ja nur um Monate handeln, aber vielleicht lässt mich die Immigrationsbehörde ja auch ohne polizeilichen Nachweis hierbleiben.

Punkt 4 – puuh, da ist es wieder das Thema „Sicherheit“. So ganz bin ich  von diesen Gedanken natürlich auch nicht befreit und habe aus diesem Grund mein Auto in Deutschland behalten und es nicht vor der Reise verkauft. Einfach um genügend finanziellen Rückhalt zu haben, wenn ich wieder zurückkomme. Da es nun aber nicht so aussieht, als würde ich innerhalb der nächsten 12 Monate zurückkommen, habe ich eine Entscheidung getroffen: Das Auto wird verkauft!

„Nun ist es so weit. Unsere Wege werden sich trennen.

Ach mein kleiner, treuer Begleiter der letzten Jahre. Der schwarze Blitz hat mich so gut von A nach B gebracht, was habe ich die Autobahnen, Landstraßen und auch den Stadtverkehr mit ihm gemocht. Ich bin in ihm zu viert mit Gepäck und Lebensmitteln (und einem Kasten Bier) nach Dänemark gefahren, er hat mich auf Festivals begleitet und als Schlafplatz am Strand von St. Peter Ording gedient (auch wenn das nicht so ganz legal war). Die Hunde meiner Freunde hatten immer ein sicheres Plätzchen im Kofferraum und bei meinem Umzug von Berlin nach Hamburg hat er wunderbar viel Stauraum gehabt. Und nun wird er in andere liebevolle Hände abgegeben. Details zum Verkauf findet ihr hier:. Das könnt ihr auch gerne teilen und an Bekannte weitergeben – vielleicht kennt ja jemand, der jemanden kennt.
A Klasse zu verkaufen

Hiermit ein großes DANKESCHÖN an meinen Papa, der sich so liebevoll um den Verkauf kümmert und organisiert hat, dass das Autochen sowohl Nordseesand- als auch Hundehaarbefreit ist, mal eben einen ganzen Nachmittag damit verbringt, Staubkörner wegzupolieren und es anschließend vorteilhaft fotografiert. Selbst wenn ich 18.000 km weit weg und mittlerweile 30 Jahre alt bin, manche Dinge ändern sich einfach nie. Meine Mama würde jetzt sagen: „Du bist eben doch Papas kleine Prinzessin“.

In diesem Sinne: